Angedacht 2017

21.12.17

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns. Das ist die kürzeste Weihnachtsgeschichte aus dem Evangelium nach Johannes. Aber wer kann damit schon noch was anfangen. Viel schöner ist die Erzählung im Evangelium nach Lukas, mit Stall und Krippe, Maria und Josef, Hirten und Kind. Das ist anschaulich, das ist vorstellbar.

Unter vielen Weihnachtsbäumen in unseren Wohnstuben steht eine solche Krippe nach dem Lukasevangelium. Oft auch noch gemischt mit dem, was der Evangelist Matthäus berichtet, dass nämlich Wissenschaftler (im Volksmund: heilige drei Könige) zur Krippe kommen, um ebenfalls dem Christus-Kind, dem Christkind zu huldigen.

Was wir in der Regel von Weihnachten im Kopf haben, ist eine Mischung aus allen drei Evangelien. Jesus wird von Maria im Stall geboren, begleitet von Josef und über dem Stall steht ein Stern, der die Hirten und die Weisen aus dem Morgenland zu dem Kind führt. Aus späterer Zeit kommen dann noch Ochs und Esel hinzu, wodurch das Alte Testament Einzug hält in die Weihnachtsgeschichte. Etwa 600 Jahre später nämlich erkannten Theologen, dass viele Menschen in Jesus nicht den dreieinigen Gott erkannten und fügten Och und Esel zur Krippe um zu zeigen, was der Prophet Jesaja schon lange vorher gesagt hatte: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber mein Volk versteht's nicht.“ (Jesaja Kap. 1 Vers 3)

Durch Ochs und Esel wurde auf ein heute noch zeitgemäßes Problem aufmerksam gemacht, das der Evangelist Johannes gleich gesehen hatte und deshalb sein Weihnachtsevangelium anders formulierte. Wir haben nur das Wort der Heiligen Schrift, um Gott zu erkennen. An Weihnachten, als Gott in Jesus Christus Mensch wurde, ist deshalb dieses Wort anschaulich geworden, Fleisch, also Mensch geworden. Und deshalb ist dieser Jesus Christus so enorm wichtig für uns, dass wir uns nach ihm „Christen“  nennen, ihn als Christkind Freude verbreiten lassen und das Christfest feiern mit Doppelfeiertag und Gottesdiensten, Christbaum und Geschenken, gutem Essen und Besuchen. Christen sind Menschen, die glauben, für wahr halten, fest davon überzeugt sind, dass wir in diesem Fest das Kommen Gottes in die Welt feiern. Alle Jahre wieder.

Das Wort wird konkret. In einem Menschen, der andere Menschen ansteckt bis heute. Noch immer gehen jeden Sonntag mehr Menschen in eine Kirche als auf einen Fußballplatz. Noch immer sind die christlichen Kirchen der gesamt größte Arbeitgeber in unserem Land. Täglich wird in Christi Namen so unendlich viel Gutes getan, von Kinderkrippen bis zum Seniorenwohn- und Pflegeheim, von der Taufe bis zur Beerdigung, das Glück gefeiert bei Hochzeiten und Trost gespendet in menschlicher Not.

Die Wurzel von alledem ist in Weihnachten zu finden. In Gott, der sich menschlich macht. Das Wort wurde Fleisch. Und dieses Wort Gottes lässt sich zusammenfassen in einem einzigen Wort: Liebe. Darum sagen wir auch zu Weihnachten „Fest der Liebe“. Gott ist die Liebe, sagt die Bibel. Und seine Liebe zeigt er in diesem Jesus Christus, der da an Weihnachten hereinschneit in unsere Welt und durch sein Leben ein Beispiel gibt.

So laden auch wir ein zu den Gottesdiensten an Weihnachten. Sie finden die Übersicht unten. Wir feiern zusammen die Liebe, die Gott in seinem Wort unter die Menschen bringt und die Ausdruck findet in der Gemeinde, die sich unter dem Wort Gottes versammelt.

Und so wünschen wir Ihnen allen, mit all Ihren Lieben ein frohes und gesegnetes Christfest, ein Weihnachten der Liebe und des Verstehens, ein Fest der Freude und des Miteinander.

Ihre/ Eure Markus-Kirchengemeinde

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16.11.17

Liebe Leserin, lieber Leser!

… dass das ganze Leben Buße sei

Dr. Martin Luther beginnt seine 95 Thesen mit der Aussage, dass Gott in Jesus Christus will, „dass das ganze Leben der Glaubenden Buße sei“. Er steht damit auf festem Boden, denn auch die erste Predigt Jesus Christi heißt: „Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Nachzulesen im Evangelium nach Markus, 1,15.)

Buße tun ist heute kein religiös angesehenes Wort mehr. Wir kennen es noch aus dem „Bußgeld“ des Verkehrssünders, „Bußübungen“ machen wir, wenn wir uns zu dick fühlen, und wer in der economy-class nach Amerika fliegt und größer als 1,90m ist, der weiß auch was eine Bußübung ist.

Natürlich hat das alles einen religiösen Hintergrund, der jedoch bis zur Unkenntlichkeit verschüttet scheint, sodass der Gebrauch des Wortes mit „Strafe“ gleichgesetzt wird. Das aber ist das allerletzte was Buße in der Religion will.

Im Alten Testament, der hebräischen Bibel, meint das Wort „Ascham“ für Buße so viel wie: „Wiedergutmachung“. Es geht darum was ein Mensch, der Lebenszerstörerisches getan hat, aus der Falle, in die er da gerutscht ist, wieder heraus kommt. Beispiel: Da hat, ein sonst sehr gewissenhafter Mann, bei einer Autofahrt einen Moment lang nicht aufgepasst. Abgelenkt durch eine Meldung im Radio, oder einen Gedanken an ein Problem zu Hause - er konnte es hinterher nicht mehr sagen und sich nicht mehr erinnern - kam es zu einem Unfall. Im auf der Gegenfahrbahn beteiligten Auto saß ein älteres Ehepaar. Der Mann starb noch an der Unfallstelle, die Frau kam schwerverletzt in ein Krankenhaus, 800 km von zu Hause entfernt. Der Unfallverursacher und „Schuldige“ blieb fast unverletzt.

Er wurde verurteilt, bezahlte seine zu Recht hohe Strafe, - alles recht und gut. Aber dennoch konnte er nachts nicht mehr schlafen. In einer 10tel Sekunde seines Lebens war er zum Mörder wider Willen geworden. Und das ließ ihm keine Ruhe. Er brauchte Buße: Einen Weg, wie er wieder leben konnte, trotz der Schuld.

Vieler langer Gespräche bedurfte es und geduldiger Verhandlung bis es gelang den Schuldigen mit der Frau zusammenzubringen, die er zur Witwe gemacht hatte. Viele Tränen flossen am Krankenbett auf beiden Seiten, bis klar wurde wie schlimm das für die Eine WIE AUCH für den Anderen war. Doch dann konnte die menschliche Begegnung stattfinden, die einen Heilungsprozess mit starker Vernarbung, aber immerhin, möglich machte. Das ist Buße.

Sie gelang, weil das hinzu kam, was das Neue Testament, die Botschaft von Gott in Jesus Christus uns zur Buße sagt: „Metanoia“ heißt es da in der Originalsprache. Das bedeutet: die Gedanken in die richtige, in die lebensspendende Richtung zu drehen, nämlich zu Gott hin. Und in der Erkenntnis des Lichtes, das von seinem Wort und Sakrament ausgeht, konnte, nach dem langen und gewundenen Weg der Gespräche, Vergebung geschehen. Dieser Prozess, das ist das, was die Bibel als Buße bezeichnet.

Wenn wir heute Buß- und Bettag feiern, so ist das ein öffentlicher Akt und Feiertag. Denn es geht darum was auf unserer Welt in unserer Gesellschaft, in unserer Lebenswelt (Kommune) nach Veränderung schreit, damit ALLE Menschen mit einander gut leben können. Und dafür fällt mir sofort eine ganze Menge ein: Die Hälfte er Menschheit hungert. Die Schere zwischen armen Menschen und reichen Menschen wird  immer größer. Recht bekommt nicht immer der, der im Recht ist, sondern oft der, der den besseren Anwalt hat, der die Lücke im Recht findet. Ich weiß, was mitweltschädlich ist, und tue es dennoch. Ich kaufe billigst, auch wenn ich mir bewusst bin, dass dafür andere ausgebeutet werden. Ich mache mit bei Mobbing, wohl wissend, was dabei alles kaputt geht. Die Liste ist mit wenig Phantasie ellenlang fortzuführen.

Darum geht es am Buß- und Bettag: Nachdenken wie alle Schöpfung Gottes ein Recht auf Leben bekommt. Nachdenken, wie Strukturen sind, in denen es auch mir gut geht. Nachdenken, was dazu helfen kann, dass Gerechtigkeit und Friede, Glück und Wohlergehen Einzug hält wo dies nicht wohnt und bleiben kann wo es schon blüht. Denken Sie mit. Ich bin auch da im Gottesdienst.

Herzliche Grüße aus St. Markus

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9.11.17

Liebe Leserin, lieber Leser!

Am Wochenende ist es wieder soweit! Zahlreiche Laternenumzüge wird es geben in unseren Orten. Lichter gegen die Dunkelheit, gegen Einsamkeit und Kälte erinnern an einen großen Heiligen, der auch in unserer Kirche seine Bedeutung hat - der „Heilige Martin“. Martin Luther bekam an seinem Tauftag, den Namen des Heiligen. Die Person des Heilgen Martin erinnert uns bis heute daran, wozu Menschen trotz aller Fehler, die sie begehen, fähig sind: Gutes zu tun, mit zu leiden, offene Augen für die Nöte anderer und ein Herz, das sich anrühren lässt. Auch wenn die Geschichte der Mantelteilung jedem bekannt ist, mahnt Sie uns doch immer wieder an, sie nicht nur zu vergessen, sondern sie auch lebendig zu halten, mitten in unserem Leben. Miteinander zu teilen, dem anderen zur Seite stehen, auch das haben wir in der letzten Zeit erleben dürfen, bei unseren gemeinsamen Gottesdiensten und Veranstaltungen. Ich denke immer noch voller Dankbarkeit an den großen ökumenischen Gottesdienst am Reformationstag in Kleinostheim. Menschen haben sich aufgemacht aus ihrer gewohnten konfessionellen Heimat und den anderen besucht und wahrgenommen. Wir haben voneinander gehört, haben alte Gräben überwunden und gemeinsam das gefeiert, was Jesus uns allen aufgetragen hat. Die Frauen und Männer von den Maiglöckchen haben in der St. Markus Kirche gesungen, um uns zu helfen, neue Altar- und Kanzeltücher zu beschaffen. Lichtzeichen im Miteinander, für die ich sehr dankbar bin.
Einander wahrnehmen, sich nicht aus den Augen verlieren, nicht wegschauen, das ist genau das, was uns der Heilige Martin vor Augen führt. Doch wie gerne schauen wir weg, denken, darum sollen sich andere kümmern, oder was soll ich alleine dagegen tun. Das erinnert mich an den Wochenspruch der zu Ende gehenden Woche: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Römer 12,21) Martin hätte vorbeireiten können, seinen Blick vom Bettler abwenden, doch er tat es nicht. Und dazu möchte Ihnen eine mahnende Geschichte erzählen. Sie stammt von dem spanischen Dichter Pedro Calderon de la Barca (1600–1681), und, obwohl die Geschichte sehr alt ist, habe ich sie erst vor kurzer Zeit kennengelernt. Sie heißt: Ein guter Mensch am Höllentor.
Die Hölle war total überfüllt und noch immer stand eine lange Schlange am Eingang. Schließlich musste sich der Teufel selbst herausbegeben, um die Bewerber fortzuschicken. „Bei mir ist alles so überfüllt, dass nur noch ein einziger Platz frei ist“, sagte er. „Den muss der ärgste Sünder bekommen.“ Nun forschte er unter den Anstehenden und hörte sich deren Verfehlungen an. Was auch immer sie ihm erzählten, nichts schien ihm schrecklich genug, als dass er dafür den letzten Platz in der Hölle hergeben mochte. Schließlich sah er einen, den er noch nicht befragt hatte. „Was ist eigentlich mit Ihnen? Was haben Sie getan?“ – „Nichts“, sagte der Mann, den er angesprochen hatte. „Ich bin ein guter Mensch und nur aus Versehen hier. Ich habe geglaubt, die Leute ständen hier um Zigaretten an.“ – „Aber Sie müssen doch etwas getan haben“, sagte der Teufel. „Jeder Mensch stellt etwas an.“ – „Ich sah es wohl“, sagte der gute Mensch, „aber ich hielt mich fern. Ich sah, wie Menschen ihre Mitmenschen verfolgten, aber ich beteiligte mich niemals daran. Sie haben Kinder hungern lassen und in die Sklaverei verkauft; sie haben auf den Schwachen herumgetrampelt und die Arme zertreten. Überall um mich herum haben Menschen von Übeltaten jeder Art profitiert. Ich allein widerstand der Versuchung und tat nichts.“ – „Absolut nichts?“, fragte der Teufel ungläubig. „Sind Sie sich völlig sicher, dass Sie das alles mit angesehen haben?“ – „Vor meiner eigenen Tür“, sagte der gute Mensch. „Und nichts haben Sie getan?“, wiederholte der Teufel. „Nein!“ – „Komm herein, mein Sohn, der Platz gehört dir!“

So lautet die Geschichte. Ihre Botschaft ist eindeutig: Es reicht nicht, nichts Böses zu tun; gar nichts zu tun, wo man hätte Gutes tun können, ist schlimmer. Dabei muss das Gute nichts Aufsehenerregendes sein. Es sind die kleinen Momente der Nächstenliebe, die wichtig sind. Und genau deshalb denken wir am Ende dieser Woche an Martin von Tours. Seine Tat hat nicht die Welt verändert, nur ein halber Mantel – und doch denken wir an ihn bis heute.

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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26.10.17

Liebe Leserin, lieber Leser!

Am kommenden Dienstag schließt sich das Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“. Zahlreiche Veranstaltungen liegen hinter uns, die auf dieses Ereignis aufmerksam gemacht haben; vor allem aber die Ökumene in den Fokus nahmen. Zumindest hier in Kleinostheim gab es dazu zahlreiche Veranstaltungen und Gottesdienste. Nicht zu vergessen aber auch die Begegnungen in Stockstadt und Mainaschaff.
Am Dienstag nun, dem 31. Oktober, beschließen wir das Jubiläumsjahr mit einem großen, gemeinsamen Gottesdienst in Kleinostheim. Wir beginnen den Gottesdienst in der St. Laurentiuskirche. Hier im Mittelpunkt der Rückblick und das Bekennen von Schuld, die in den zurückliegenden Jahrhunderten von beiden Seiten begangen wurden. Danach erfolgt der Gang, die „Prozession“ zur Markuskirche. Ein Weg, der Menschen ins Gespräch bringen möchte; ein Weg der Versöhnung und vor allem des Aufbruches. Aufbrechen wollen wir in ein neues und gutes Miteinander; neue Wege wollen wir ausprobieren; Grenzen überwinden, um so neue Perspektiven für die Menschen aufzuzeigen. In der Markuskirche wollen wir noch einmal innehalten, auf Gottes Wort hören und uns stärken lassen für den Weg der Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft die vielfältig ist, aber sich gründet auf den gemeinsamen Glauben an Gott.
Für diesen Weg wünsche ich uns allen Gottes guten Segen, aber vor allem auch Mut, neue Wege zu wagen und zu gehen. Mut, der sich nicht einschüchtern lässt, von althergebrachten Strukturen, von Menschen erdacht und aufgerichtet. Fantasie und Kraft, Grenzen niederzureißen, die uns von- einander trennen und Glauben und Gemeinschaft ersticken.  

Auf dem ersten ökumenischen Kirchentag 2003 haben die Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen die Charta Oecumenica unterschrieben. Das Dokument „Versöhnt miteinander“ erinnert sie an diese Selbstverpflichtung und ermutigt alle, jeweils in der eigenen Kirche dafür einzutreten, dass sie - mit Gottes Hilfe – den Verpflichtungen nachkommt, die mit der Unterschrift eingegangen wurden. In der Selbstverpflichtung heißt es: „Wir verpflichten uns, der apostolischen Mahnung des Epheserbriefes zu folgen und uns beharrlich um ein gemeinsames Verständnis der Heilsbotschaft Christi im Evangelium zu bemühen; in der Kraft des Heiligen Geistes auf die sichtbare Einheit der Kirche Jesu Christi in dem einen Glauben hinzuwirken, die ihren Ausdruck in der gegenseitig anerkannten Taufe und in der eucharistischen Gemeinschaft findet sowie im gemeinsamen Zeugnis und Dienst.“

So wünsche ich uns allen einen gesegneten 31. Oktober!

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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19.10.17

Liebe Leserin, lieber Leser!

Was für eine Nacht! Viele hatten sich aufgemacht! Unsere beiden Kirchen, St. Laurentius und St. Markus, hatten sich „Auf-gemacht“ und sich in buntes farbenfrohes Licht gehüllt. Ein gleißender Lichterbogen am Himmel und viele Kerzen auf der Straße verbanden die Menschen und Kirchen miteinander. Menschen „pilgerten“ den erleuchteten Wegen entlang, in Gesprächen vertieft oder einfach nur schauend. In beiden Kirchen gab es ein abwechslungsreiches Programm, von vielen Menschen liebevoll vorbereitet und aufgeführt. Ihnen allen und denen, die für den äußeren Rahmen zuständig waren, gilt unser großer Dank, für diese beeindruckende Nacht. Ein eindrucksvolles Erlebnis für unsere Ökumene hier in Kleinostheim. Einander besuchen, wahrnehmen, kennenlernen und besser verstehen in der Vielfalt des Glaubens. Für mich persönlich war es ein Höhepunkt in unsern ökumenischen Aktivitäten in diesem Gedenkjahr der Reformation.
Einen weiteren wichtigen Meilenstein wollen wir dann am 31. Oktober setzen. Am Tag des Gedenkens des Thesenanschlags in Wittenberg, und damit Beginn der Reformation, wollen wir einen großen und gemeinsamen Gottesdienst feiern. Beginnend in der St. Laurentiuskirche, mit Rückblick, Innehalten und Schuldbekenntnis, für das, was an Verfehlungen von beiden Seiten geschah, wollen wir uns dann mit einem Prozessionszug nach St. Markus begeben. Dieser Gottesdienst soll ein weiteres Zeichen unseres gemeinsamen Weges sein. Ein Weg der Versöhnung, ein Weg des Neubeginns, ein Weg in die gemeinsame Zukunft, ein Weg des Miteinanders… Und so sind sie alle eingeladen, diesen Gottesdienst zu besuchen und sich mit auf diesen Weg zu machen.
„Versöhnte Verschiedenheit“, sie wird sich bei uns wiederspiegeln in dem, was wir in diesem Jahr angestoßen haben. Es soll und wird nichts Einmaliges gewesen sein, nur weil wir das Jubiläum der Reformation bedacht und gefeiert haben. In beiden Gremien, Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand, waren wir uns darüber einig, dass der begonnene Weg und die Gottesdienste, die wir miteinander gefeiert haben, der Beginn sind, für etwas, das an Normalität gewinnen soll. Sprich, dass es selbstverständlich ist (wird), dass wir miteinander Gottesdienste feiern, uns besuchen, gemeinsam planen und besprechen, Gottesdienste vielleicht auch abwechselnd in unseren beiden Kirchen feiern und das nicht nur zu den ganz besonderen Anlässen im Kirchenjahr. Dass wir bewusster unsere Gottesdienste im Kirchenjahr wahrnehmen und besuchen, um miteinander zu feiern.

Ich bin der Überzeugung, wenn Martin Luther sehen könnte was sich an Reformation bei uns tut, er hätte seine Freude daran. Lag ihm doch nichts an einer Spaltung. An uns liegt es nun, diese Spaltung zu überwinden, eine neue Brücke zu bauen, auf dem Fundament, das uns allen wichtig ist.
„Einen anderen Grund, kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ (1. Korinther 3,11)

In ökumenischer Verbundenheit und Hoffnung

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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12.10.17

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Michael saß im Rollstuhl als ich zu ihm ins Zimmer kam. Ich schätzte ihn auf 35 Jahre womit ich nur knapp danebenlag. Er war auf Reha nach fast einem Jahr Krankenhaus und 24 Operationen. Man sah es ihm an. Er hatte mächtig was durchgemacht. „Hallo, Herr Pfarrer“, sprach er mich an. Er hatte in den vielen Monaten gelernt, die Schildchen zu lesen, die im Krankenhaus alle Funktionsträger anstecken haben, und so meine Zugehörigkeit zur Klinikseelsorge mit einem Blick erfasst.

„Ich hab schon gehofft, dass Sie kommen!“ Ich war verblüfft. Diesen Satz hörte ich nicht oft bei einem Mann diesen Alters. Wenn ich bei einem 40 Jährigen zum Geburtstag auftauchte, hörte ich eher Sätze wie: „Bin ich schon so alt dass der Pfarrer zu mir kommt?“ oder „Ach Herr Pfarrer, möchten sie auch mal was ordentlich Gegrilltes, kommen Sie nur rein!“

Michael freute sich echt und ich erfuhr von seiner Lebens-Geschichte. „Ein Hoch auf uns!“ und „Du schaffst alles was Du willst“ und „Du  musst es nur wollen, dann geht es“ und „Ich brauch niemanden, ich schaff das allein!“ Das waren die >Verführungen<, so Michael, denen er gefolgt war. Er war kräftig und schlau und modern und dachte, das Leben selbst in die Hand zu nehmen. Andere brauchte er nicht dazu. Einen Gott schon gleich gar nicht.

Bis zu seinem Unfall. Ein Tick zu viel. Eine Sekunde lang überschätzt. Ein Augenblick der Überforderung. Dann war es passiert. Es war eine Zehntelsekunde, die in seinem Leben alles veränderte. Und da saß er nun.

„Als ich in der Scheiße lag - sorry Patre, aber ich kann das nicht anders sagen - da war es aus mit eigener Kraft und Können und Wollen und nur „ich“.“ Eine Pause entstand und Tränen schlichen sich in die Augenwinkel von Michael. „Nichts konnte ich mehr selber, für den kleinsten Handgriff brauchte ich jemand. Das war sooo schlimm für mich!“

Ich hatte einen Stuhl genommen und mich zu ihm gesetzt und schaute ihn aufmerksam an. „Sehen Sie, das ist es, was mir klar geworden ist: Ich war so ein Depp vorher. Ich hab die anderen Menschen gar nicht mehr gesehen. Und dann bei der Rettung und im Krankenhaus, da waren so viel Menschen für mich plötzlich da, obwohl ich das gar nicht verdient hatte.“ Ich schaute ihn direkt an und merkte wie bewegt er im Inneren war. „Das war wohl einen sehr neue Erfahrung?“ fragte ich. 

„Ja!“ sagte Michael, „und der erste der kam und mir zuhörte, obwohl ich gar nichts sagen konnte, weil mein Gesicht noch so verletzt war, das war der Seelsorger. Und dann, später, kamen die Damen vom Besuchsdienst. Die kamen zu mir. Meine Freunde kamen alle nicht. Sogar meine Familie machte sich dünn…“ Ich merkte wie er schluckte und um Worte rang. Tiefe Enttäuschung und Wut war zu spüren und Zorn und noch eine ganze Menge mehr.

 „… und wissen Sie, wer noch da war?“ Ich schaute fragend in sein Gesicht. „Gott!“ sagte Michael. „Gott war da. Tag und Nacht. Obwohl ich dachte dass er mich gar nicht mehr kennt.“ Ich musste lachen. Und Michael lachte mit! „Ja, ich weiß jetzt wieder, dass das Leben nicht alleine geht! Nur dumm, dass es diesen schlimmen Weg gebraucht hat. Und ich bin so dankbar, dass es eine Kirche gibt. Wo Menschen einfach da sind für andere, ohne dumme Sprüche, wie >Du musst nur nach vorne schauen, das wird schon wieder<.“

Mir kam ein Bibelwort in den Sinn (Wochenspruch vom 18. Sonntag nach Trinitatis): >Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.< Und Liebe kennt kein MUSS. Die Liebe ist geduldig und realistisch. Sie hört mehr zu, wie sie spricht und nimmt Menschen und das Leben an, so wie es ist.

Michael hat heute ein neues Leben. Er engagiert sich selber für andere. Und er kommt immer wieder in den Gottesdienst. Er weiß, dass es da Kraft gibt. Einfach so.

Ihre/ Eure Markus-Kirchengemeinde

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5.10.17

Liebe Leserin, lieber Leser!

Am vergangenen Sonntag haben wir Erntedank gefeiert. Rückblick und Ausblick… Nun begann auch das letzte Vierteljahr. Nur noch drei Monate, dann ist auch 2017 Geschichte! Wo ist nur die Zeit geblieben, werden sich wieder viele fragen. Kurz innehalten, Bilanz ziehen vor den schweren und dunklen Tagen des November? Vielleicht?! Nicht nötig!? Vielleicht hilft es aber doch, die kommenden Wochen bewusster anzunehmen und nachzudenken… Bilanz ziehen, wie zum Erntedank!
Wir haben Erntedank gefeiert, manche tun es noch in diesen Tagen… Nicht Ihre Sache, meinen Sie? Weil Sie nicht in der Landwirtschaft arbeiten, auch keinen Kleingarten haben? Mag sein. Ich möchte Ihnen nun auch gar nicht aufweisen, wie sehr wir doch alle von den Ernteerträgen abhängig sind und uns deswegen dies Fest indirekt betrifft. Ich möchte Sie vielmehr ermutigen, so etwas wie eine Bilanz Ihrer „Ernte 2017“ zu machen, bezüglich der Tage, die vor uns liegen, die uns auch unsere eigene Vergänglichkeit bewusster machen. Nehmen Sie sich eine Stunde Zeit und denken Sie zurück an Frühjahr und Sommer. Hier ein paar Fragen zur Anregung:
Was ist Ihnen gelungen, vielleicht besser als erwartet? Wo missglückte Ihnen etwas und die Folgen konnten Sie oder ein anderer noch einmal ausbügeln? Was fiel Ihnen einfach in den Schoß? Gab es eine freudige Überraschung, völlig unerwartet? Was können Sie ganz selbstverständlich und ohne Mühe (so wie diese Zeilen zu lesen, zum Beispiel)? Was bekommen Sie ganz selbstverständlich (so wie dieses Mitteilungsblatt)? Ist zu danken Ihnen peinlich? Wann haben Sie das letzte Mal „Danke“ gesagt? Und es auch so gemeint? Wo fühlten sie sich einfach nur getragen in ihrem Leben?
Ich weiß nicht, wie Ihre Bilanz ausfallen wird. Aber ich bin sicher, Sie werden entdecken, wie viel Sie haben und können, ohne dass Sie dafür viel getan hätten.
Zufall? Eben Glück gehabt? Oder nicht doch Gabe Gottes an Sie, der es gut mit Ihnen meint(e)?

Jeder wird seine eigene Bilanz ziehen. Aber vielleicht hat die Zeit zum Nachdenken geholfen, einiges neu zu beurteilen. Vielleicht hat es auch neue Kraft geschenkt, für das Leben und die Zeit, die vor uns liegt.

Ihr/euer Pfarrer Thomas Abel

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28.9.17
Liebe Leserin, lieber Leser!

Erster Sonntag im Oktober – Erntedankfest. Es ist Herbst geworden. Die Felder sind fast alle abgeerntet. Die Blätter färben sich: Nebelschwaden ziehen den Main entlang, bis zum Spessart hinauf. Ein bisschen Wehmut schwingt mit. Die sommerlichen Gedanken berühren die Herzen. Schön war er, der Sommer, mit seiner Blütenpracht, seinen Festen und Feiern, den vielen Entdeckungen und Begegnungen. Dankbar schaue ich zurück und spüre dabei, wie oft der Dank zu kurz kommt oder gar vergessen wird. Und in diesem Vergessen schlummern Gefahren. Ich kann nicht mehr erachten was gut ist und gut war. Sehe vielleicht nur noch das, was nicht so gelang. Sei es in meinem persönlichen Leben, in meiner Beziehung zu Gott, oder auch im Blick auf unser Land, unsere Gesellschaft. Verstellte Blicke, schnelles Vergessen, Undank, Unzufriedenheit…
Deutschland hat gewählt. Viele Menschen sind zur Wahl gegangen und doch rieb sich so mancher am Wahlabend vor dem Fernseher die Augen. Manche Vorahnung hat sich leider erfüllt. Der spöttische Blick auf Amerika („Wie konnten die nur…“) erweist sich nun als ein Blick in den Spiegel… „Wie konnten wir nur…!“
Auch hier bei uns haben gut 11% die AFD gewählt. Und ich frage mich, wieso gehen wieder Menschen diesen dumpfen, menschenverachteten und braunen Parolen auf den Leim? Ist es Protest? Wenn ja, mit welchen unkalkulierbaren Folgen!? Die zunehmenden nationalistischen Tendenzen weltweit, sind ein Schritt zurück. Wir waren schon einmal weiter! „Amerika zuerst!“, „Deutschland den Deutschen!“ etc., das löst keine Probleme, das schafft Probleme. Wann endlich begreifen wir, das unser Nächster, egal welche Hautfarbe er hat, welche Sprache er spricht, woher er kommt, genauso ein Mensch ist wie du und ich. Probleme im Miteinander, im Zusammenleben gibt es immer und überall. Natürlich müssen bestimmte Regeln eingehalten und geachtet werden, aber dies gilt dann eben auch für alle! Auf den Umgang miteinander kommt es an - auf Worte und Gesten, auf Taten. Menschenverachtende Parolen, geschichtsnegierende Thesen und abfällige Bemerkungen anderen gegenüber haben in unserer Gesellschaft, in unserm Land, in unseren Gemeinden nichts verloren.

Gewiss machen die bürgerlichen, demokratischen Parteien nicht alles richtig. Aber wenn wir nur ein bisschen einen klaren und nachdenklichen, sowie offenen Blick auf das werfen, was in den letzten Jahrzehnten in unserem Land geschaffen wurde, dann müsste die Dankbarkeit und der Wille dieses zu erhalten und zu verbessern, an Macht und Stärke gewinnen. Damit unser Land weiter für Demokratie, Menschlichkeit, Toleranz und Offenheit steht.

Und das ist auch unsere Aufgabe als Christen vor Ort. Dankbarkeit zu leben und zu fördern, mit allen Menschen, die hier bei uns leben und sich einzusetzen für die Schwachen und Entrechteten.

Üben wir Dankbarkeit Gott und den Menschen gegenüber!
Erntedank – es gibt so vieles, für das wir danken können! Kommen Sie doch in unsere Gottesdienste am Erntedankfest und entdecken den Dank Gott gegenüber neu.

Ihr/euer Pfarrer Thomas Abel

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21.9.17
Liebe Leserin, lieber Leser!

Manchmal sind wir total am Boden. Wir wissen weder ein noch aus. Das Wasser steht uns bis zum Hals. Alles vergeblich, alles sinnlos… Wie soll es weitergehen ohne Hoffnung? Jeder von uns kennt solche Situationen in seinem Leben. Der Eine mehr, die Andere weniger. Es sind Erfahrungen, die uns oft am Leben und am Glauben verzweifeln lassen. Da brauchen wir dann Zuspruch und Trost, der uns erinnert und weiter trägt. Max Lucado erinnert sich hier an den Propheten Jeremia, der in seinen Klageliedern schrieb: „Die Güte des Herrn hat kein Ende, sein Erbarmen hört niemals auf, es ist jeden Morgen neu! Groß ist deine Treue, o Herr.“ (Klagelieder 3,22-23)
Lucado schreibt dazu: „Jeremia war so deprimiert wie ein Giraffe mit einem steifen Nacken. Jerusalem wurde belagert, sein Volk unterdrückt. Seine Welt war zusammengebrochen wie eine Sandburg beim Wirbelsturm. Er gab Gott die Schuld an seinem Gefühlszustand. Und er gab Gott die Schuld an seinem körperlichen Leid. „Er lässt meine Haut und mein Fleisch zerfallen und zerbricht mir alle meine Knochen“.
Sein Körper schmerzte. Sein Herz war krank. Sein Glaube war verkümmert. Aber dann merkte er, dass er unterzugehen drohte. Und da änderte er seine Blickrichtung. „Aber eine Hoffnung bleibt mir noch, an ihr halte ich fest: „Die Güte des Herrn hat kein Ende, sein Erbarmen hört niemals auf, es ist jeden Morgen neu! Groß ist deine Treue, o Herr. Darum sage ich: Herr, ich brauche nur dich! Auf dich will ich hoffen“.
„Aber eine Hoffnung bleibt mir noch, an ihr halte ich fest…“ Mitten in seiner Depression ändert Jeremia seinen Gedankengang und richtet seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes. Er wandte den Blick von den Wogen ab und sah auf das Wunder Gottes. Rasch zitierte er fünf Verheißungen.

„Die Güte des Herrn hat kein Ende!“ „Sein Erbarmen hört niemals auf!“ „Sein Erbarmen ist jeden Morgen neu!“ Seine Treue ist groß!“ „Herr, ich brauche nur dich!“

Der Sturm war zwar noch nicht vorüber, aber seine Entmutigung schon.“

Manchmal ist es einfach nur wichtig, dass wir innehalten und uns erinnern, wie Gott uns immer wieder in schweren Zeiten zur Seite stand und geholfen hat. Seine Liebe und Treue ist unerschütterlich.
Auf die Blickrichtung kommt es an!
In diesem Sinne wünsche ich ihnen allen eine gute Woche!

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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14.9.17
Liebe Leserin, lieber Leser!

Die Sonntage der Trinitatiszeit stehen, thematisch gesehen, ganz im Zeichen der praktischen Nachfolge Christi. Wir sind eingeladen, ja auch aufgefordert, seinem Beispiel zu folgen. Und dazu brauchen wir Herz und Verstand, unsere Beine und Füße, unsere Hände.
Meine Hand besteht aus 27 Knochen, 36 Gelenken, 39 Muskeln, zahlreichen Sehnen und Nerven. Ein geniales Wunder, mit dem ich greifen, zeigen, streicheln, fühlen und tragen kann. Aber wozu gebrauche ich meine Hand? Hunderte Mal streicht sie über mein Smartphone. Unzählige Stunden liegt sie auf den Tasten des Computers. Unzählige Male schaltet sie vom zweiten in den dritten Gang, schließt Türen zu und bedient die Fernbedienung des Fernsehers. Unbewusst, kraftlos, sinnlos.
Erinnern Sie sich noch, wie ihre Kinder, als sie noch klein waren, mit ihren Händen vorsichtig die Welt erkundeten? Das stachelige Gras, das kleine Gänseblümchen auf der Wiese, die Dornen der Hagebutte… Auch die kleine Kinderhand besteht aus 27 Knochen, 36 Gelenken, 39 Muskeln, zahlreichen Sehnen und Nerven. Ein geniales Wunder. Ich sehe es noch vor mir: Vorsichtig hebt meine Tochter ihre Hand, streckt den Zeigefinger aus, nähert sich der Blume auf der Wiese. Gleich passiert es. Wie wird es sich anfühlen? Stachelig, weich oder samtig? Der Blick folgt der Hand. Noch ist da Skepsis, die Augenbrauen zusammengezogen, oder Neugierde? Gespannte Vorfreude. Der Moment der Berührung. Zart die Blume, zart der Finger. Es kitzelt, bewegt. Langsam breitet sich ein Lächeln aus. Wunder, Farbe, Leben.

Gottes Hand besteht aus 27 Knochen, 36 Gelenken, 39 Muskeln, zahlreichen Sehnen und Nerven. So hat Michelangelo sie sich vorgestellt, vor 500 Jahren, als er sie malte. Die Erschaffung Adams in der Sixtinischen Kapelle. Auf dem Boden einer noch vegetationslosen Erde liegt müde der erste Mensch, als sei er aus einem Urschlaf erwacht. Michelangelo beschreibt Adam als einen kräftigen und anmutigen jungen Mann, der sich mühsam aufzurichten versucht, während er seinen linken Arm dem Schöpfergott entgegenstreckt. Dieser ist eine würdevolle, greise Gestalt mit grauweißem Haar und langem Bart, begleitet und getragen von Engeln. Ein geniales Wunder. Gottes Hand sucht die Berührung. Ganz sanft. Er reicht sie aus dem Himmel nach unten. Gott schenkt Adam durch diese Berührung Leben. Schöpferisch, machtvoll, lebendig.

Jesu Hand besteht aus 27 Knochen, 36 Gelenken, 39 Muskeln, zahlreichen Sehnen und Nerven. Ein Mensch unter Menschen. Ein besonderer Mensch, eine besondere Hand. Was er berührt, verändert sich. Er legt Kindern die Hand auf, segnet sie, schützt sie. Er berührt Blinde, Lahme, Aussätzige und Zöllner. Ganz selbstverständlich. Er zögert nicht, greift zu, wäscht Füße, hält fest, trägt und versorgt. Ganz sanft berührt er, öffnet Augen und Ohren, macht ganz, was kaputt ist, weckt auf und heilt. Heilsame Berührung. Unglaublich, heilig, göttlich.

Meine Hand besteht aus 27 Knochen, 36 Gelenken, 39 Muskeln, zahlreichen Sehnen und Nerven. Ein geniales Wunder, mit dem ich greifen, zeigen, streicheln und tragen kann. Lange schaue ich sie an. Sie funktioniert, ist beweglich und stark. Sie fühlt. Sie fühlt so unendlich viel. Und sie wird gebraucht. In ihr steckt Leben, Kraft, Zukunft – für mich und meine Nächsten.

Ihr/euer Pfarrer Thomas Abel

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7.9.17
Liebe Leserin, lieber Leser!

Das letzte Ferienwochenende ist da. Am Dienstag geht die Schule wieder los. Wo sind eigentlich die sechs Wochen geblieben? Wieder einmal hat man das Gefühl, die Zeit, die Ferien sind verflogen wie der Wind. Mancher schaut vielleicht ein bisschen wehmütig zurück, weil nun die schöne Zeit vorbei ist. Am Morgen lange schlafen, in Ruhe und ausgiebig frühstücken, Zeit haben und Zeit genießen... Das geht nun nicht mehr! Andere erinnern sich, mit einem Lächeln auf dem Gesicht, an schöne Begebenheiten: der endlose Strand, der im Abendlicht leuchtende Gipfel... So vieles, was uns nun den Beginn des Alltags ein wenig erleichtern kann. "Alles hat seine Zeit", so sagt es der Prediger Salomo im Alten Testament. So schön die Ferien auch waren, so steht nun der Alltag mit seinen Herausforderungen vor uns. Egal ob in der Schule, in der Firma oder auch einfach zu Hause. Das, was wir in den Ferien, im Urlaub erlebt haben, an Schönem, an Erholung, gibt uns nun Kraft, neuen Schwung und Elan. Denn es ist ja auch schön, nach den langen Ferien, die Klassenkameraden, den/die Arbeitskollegen/in wiederzusehen. Ich jedenfalls habe mich auf die ersten Gottesdienste nach meinem Urlaub gefreut, auf die neuen Begegnungen mit den Menschen. Und so freue ich mich auch auf den Beginn des Konfirmandenunterrichts. Neues beginnen und entdecken, auf dem Weg zur Konfirmation. Alte und neue Gesichter in den Klassen, wo wir gemeinsam im Religionsunterricht nach Gott und unserem Glauben fragen. Und so freue ich mich auf das, was mich nun im Alltag erwartet, ausgehend davon, was ich im Urlaub, in der freien Zeit erleben durfte, wo ich neue Kraft tanken konnte. Natürlich wird nicht alles leichter sein, aber mit einer erholten Seele und den schönen Erinnerungen, kann ich es vielleicht leichter und gelassener angehen.

Ich wünsche allen Kindern und Schülern einen guten Anfang in der Schule und allen Erwachsenen und Eltern einen guten Start in den Alltag, mit den kleinen Lichtstrahlen aus dem Urlaub, die ein Lächeln auf das Gesicht zaubern.

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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31.8.17
Liebe Leserin, lieber Leser,

Parament Heilsbronndieses Altartuch war mir immer wieder vor Augen in den Tagen, als ich in der vorletzten Juli-Woche zur Fortbildung im Religionspädagogischen Zentrum im mittelfränkischen Heilsbronn war. Zur Fortbildung gehörten auch ein paar Einheiten in der benachbarten evangelischen Münsterkirche. Deshalb kam ich immer wieder daran vorbei.

In diesen Tagen überlegte ich, ob ich ein Stellenangebot des Schulbeauftragen des Dekanats Aschaffenburg annehme, das er mir wenige Tage zuvor unterbreitet hatte: Zum Beginn des kommenden Schuljahres könnte ich die halbe Schulpfarrer-Stelle von Pfr. Kunze (jetzt Großostheim) an der Ruth-Weiß-Re­alschule in Aschaffenburg weiterführen und eine weitere kurzfristig freigewordene halbe Stelle an der Realschule Bessenbach übernehmen.

Diese Stelle annehmen bedeutet, dass es in meinem Leben und auch dem der Kirchengemeinde (besonders in Mainaschaff) schon wieder eine Richtungsänderung gibt – daran hat mich das Altartuch erinnert. Letztendlich habe ich das Stellenangebot angenommen, weil ich meine Stärke im pädagogischen Bereich sehe und nicht mehr im gleichen Maß in den verschiedenen Tätigkeitsbereichen eines Gemeindepfarrers. Das wäre mir auch auf einer anderen Gemeindestelle in einer anderen Region Bayerns so ergangen.

Es liegt nicht an den Mainaschaffern, Kleinostheimern und Stockstadtern, dass ich das Stellenangebot angenommen habe, sondern ich habe sehr wohl in meine Überlegungen einbezogen, was die Entscheidung für die Gemeinde bedeutet. Schließlich aber überwog doch die Überlegung, wo die eigenen Stärken liegen. Dafür bitte ich um Verständnis. Dieses Angebot kam für mich genauso unerwartet wie diese Nachricht jetzt für die Gemeinde.

Die Münsterkirche Heilsbronn trägt den Namen des heiligen Jakobus. Von diesem Jünger wird erzählt, dass er für das Evangelium Jesu Christi weite Wege zurückgelegt hat. In Santiago de Compostella endet der Jakobsweg, ein Pilgerweg, der nach ihm benannt ist, weil er dort begraben sein soll. Eine Route dieses weitverzweigten Pilgerwegs führt auch durch Heilsbronn.

Eine Muschel und ein Wanderstab sind neben dem kurvigen Weg dargestellt. 60 Kilometer westlich von Santiago finden sich an der spanischen Atlantikküste zahlreiche Muscheln. Früher wurden sie von den Pilgern als Zeichen der Bestätigung für ihre Pilgerschaft mitgenommen. In einem Pilgerführer zum Jakobsweg aus dem 12. Jahrhundert werden die zwei Hälften einer Muschel als die zwei Seiten des Doppelgebots Jesu gedeutet: Gott über alles zu lieben und seinen Nächten wie sich selbst.

Der Stab hat natürlich nicht nur praktische Zwecke als Stütze oder zur Verteidigung. Im bereits genannten Pilgerführer wird er als „dritter Fuß“ des Pilgers bezeichnet, der die Dreifaltigkeit Gottes symbolisieren und dem Wallfahrer auch spirituellen Halt geben soll. Gott Vater, der Grund und Halt unseres Lebens, versöhnt uns in seinem Sohn mit sich selber und gibt unserem Glauben immer wieder neue Kraft und Orientierung durch seinen Geist. Das wäre auch mein Wunsch für die Gemeinde, dass dieser Glaube auch weiterhin in ihr wächst und gefeiert – sowie Gottes- und Nächstenliebe in ihr gelebt wird.

Nur eine relativ kurze Wegstrecke gingen wir gemeinsam. Dennoch hatte ich in dem halben Jahr zwischen Einbiegen und wieder Abbiegen viele gute Begegnungen – mit Gemeindegliedern, mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, mit dem Kollegen Thomas Abel und auch über die evangelische Gemeinde hinaus. Vielen Dank für die freundliche Aufnahme, alle Unterstützung und konstruktive Zusammenarbeit.

Die Entpflichtung vom Dienst in der Gemeinde wird Herr Dekan Rupp am Ende des Taizé-Gottesdienstes am 10. September vornehmen, der um 18 Uhr im Gemeindezentrum Mainaschaff beginnt. 

Bleiben Sie Gott befohlen.

Ihr Gerhard Scheller, Pfr.

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24.8.17

Liebe Leserin, lieber Leser!

Bei der Suche nach ein paar schönen Urlaubsgedanken bzw. Anregungen, stieß ich auf eine sehr schöne Auslegung eines Verses aus dem 139. Psalm:

„Von allen Seiten umgibst DU mich und hältst DEINE Hand schützend über mir.“ (Psalm 139,5)

Was machen Sie im Urlaub? Vielleicht antworten Sie: „Einfach mal abschalten! In den letzten Monaten ist so viel auf mich eingestürmt … Darum: Erst einmal abschalten!“ Ich halte das für wichtig und gut. Mir geht es so, dass ich dann überhaupt erst wieder das entdecke, was mich ständig umgibt: den Garten, meine Familie. All das ist immer da, aber es ist zugedeckt durch die Eindrücke und Anforderungen, die durch die Arbeit auf mich einstürzen.

Wenn ich den Satz aus dem 139. Psalm lese, dann wird mir klar: Dem, der das sagte, dem muss es so ähnlich gegangen sein. Der hat sich mal Zeit genommen, tief durchgeatmet und dann staunend gesagt: „Von allen Seiten umgibst DU mich und hältst DEINE Hand schützend über mir.“

Ist das denn wahr?, werden Sie vielleicht fragen. Mehr als nur Schwärmerei? Ist denn in all dem, was mich umgibt, Gott? Ich meine: Nein, in dem, was mich umgibt, ist nicht Gott. Aber Gott ist so, wie das, was mich umgibt: Eben immer da. Ich merke nur seine Gegenwart nicht, seine schützende Liebe nehme ich nicht wahr. Gott ist unser aller „Lebenselixier“, sagt dieser Satz, ebenso, wie die Luft, die wir atmen, eben selbstverständlich atmen. Wie sehr wir sie brauchen, das merken wir erst, wenn sie uns fehlt. Der Psalmbeter staunt. Er fühlt sich geborgen, weil er erkennt: „Was ich auch tue – Gott ist da. Wo ich auch bin – Gott ist da!“

Und der Beweis dafür? Er hat keinen und ich kann Ihnen auch keinen geben. Ihm sind damals die Augen aufgegangen für Gottes ständige, stille Gegenwart in seinem Leben. (n. H. Siegel)

Dass Ihnen und mir die offenen Augen geschenkt werden, wie sie der Psalmbeter hatte, das ist mein Urlaubswunsch für Sie und für mich.

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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17.8.17

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

so wie ich das mitbekommen habe, ist die „Oscheffer Kerb“ die erste in der Reihe dieser Feste in unseren drei Gemeindeteilen. Ich finde, die derzeit vom ökumenischen Bibelleseplan vorgeschlagenen Abschnitte aus der Apostelgeschichte des Lukas führen zu einem wesentlichen Kern und Inhalt der „Kerb“ hin. In den Abschnitten dieser Woche wird vom Apostel Paulus erzählt, der in Jerusalem gefangen genommen worden war und vor Gericht gestellt wurde. Von der jüdischen Obrigkeit war er angeklagt worden und muss sich nun vor dem römischen Statthalter und dem König verantworten. Ihm wird schließlich gestattet, eine Verteidigungsrede zu halten. Darin schildert er sein Leben und vor allem, wie er zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist. Dieser Lebensbericht des Paulus gipfelt schließlich in dem Satz: „Aber Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein.“ (Apg 26,22)

Trotz der vielen Auseinandersetzungen, die Paulus hatte, spürte er Gott auf seiner Seite. Trotz der Steine, die ihm bei seinen Missionsreisen in den Weg gelegt oder nach ihm geworfen worden waren. Doch davon berichtet er nichts, sondern er schildert, wie er vor Damaskus ein Licht vom Himmel gesehen hat, als ihm Christus erschienen ist. Und er, Christus selbst, hat ihn zu seinem Boten gemacht. Von ihm bekam er den Auftrag, Zeuge der Hoffnung für alle Menschen und Völker zu werden, über das jüdische Volk hinaus. So sieht Paulus auf seinen Weg zurück und erkennt dankbar Gottes Hilfe. Das gibt ihm Kraft, auch vor König und Kaiser für den Glauben an Jesus geradezustehen. Und das kann auch uns ermutigen, unseren eigenen Weg mit Gottes Hilfe zu gehen, nicht nachzulassen, auf Gott zu vertrauen und in allem sein Zeuge zu sein.

Und was hat das jetzt mit der „Kerb“ zu tun? Ich gebe ehrlich zu, dass ich als gebürtiger Mittelfranke nicht draufgekommen wäre, was das heißen soll – wenn nicht gleichzeitig auf den großen Rummel aufmerksam gemacht worden würde. In Mittelfranken wird die Kerb „Kärwa“ genannt – man kann den eigentlich gemeinten Begriff „Kirchweihe“ noch halbwegs erahnen. Die Weihe der Kirche und dass man sich jährlich daran erinnert, bedeutet doch, dass die gute Nachricht von Jesus bei uns angekommen ist und seinen Ausdruck im Bau der Kirchengebäude gefunden hat. Das jährliche Kirchweihfest ist also in seinem Ursprung nichts anderes als der Dank dafür, dass das Wort Gottes – auch und gerade auch durch den Apostel Paulus – seinen Weg zu uns gefunden hat.

Ihr Gerhard Scheller, Pfr.

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10.8.17

Liebe Leserin, lieber Leser!

Mitten in der urlaubs- und Reisezeit, möchte ich Ihnen heute ein paar Tipps für die Reise schreiben, eine geistliche „Reiseapotheke“, aber nicht für den Notfall, sondern für das Normale:

1. Sollten Sie ins Ausland reisen, wechseln Sie doch einmal die Perspektive: Jetzt sind Sie nämlich dort Ausländer. Wie behandelt man Sie? Und könnten Sie etwas lernen für Ihre Einstellung Ausländern gegenüber hier bei uns?

2. Das Land, wo Sie Gast sind, ist die Heimat der Menschen, die Sie bewirten. Vermutlich sind die Menschen stolz auf ihre Heimat sowie Sie auf die Ihre. Sie sollten daher diesen Stolz achten, statt Rückständigkeit zu beklagen.

3. Nutzen Sie Ihre Freiheit und lernen Sie wieder, langsam zu sein. Langsam zu essen und zu genießen, langsam zu schlendern und vieles am Rand wahrzunehmen, geduldig zu warten und sich auf das, was kommt, zu freuen.

4. Am schwersten trägt man oft nicht an seinen Koffern, sondern an sich selbst. Sie haben vieles, was Sie beschäftigt, mitgenommen. Es einfach wegzudrängen, bringt nichts. Schauen Sie sich das lästige Gepäck in Ruhe an, und entscheiden Sie dann: „Das packe ich in mir weg bis zur Rückreise, das aber packe ich jetzt an, weil ich Zeit habe.“

5. Manchmal ist die größte Sehenswürdigkeit, die Sie entdecken können, der Mensch, der mit Ihnen reist. Jetzt haben Sie Zeit, ihn oder sie neu zu entdecken.

6. In der Bibel heißt es: „Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut!“ Ich kenne keine bessere Einstellung für Reisende, wenn es darum geht, völlig unbekannte Gerichte auf dem Teller zu haben oder mit Menschen zusammen zu sein, die man sich nicht ausgesucht hat.

7. Sie müssen auch wieder zurück. Versuchen Sie doch einmal, etwas mitzunehmen, was Sie nicht kaufen können und auch nicht nur ein Foto ist. Vielleicht einen Klang, der Sie zu Hause wieder an den Urlaubsort versetzt oder eine Urlaubsgewohnheit, die Sie in den Alltag übertragen können.

8. Sagen Sie Gott „Danke“. Sie haben genug Geld, sind gesund und kräftig genug, um zu verreisen – schon das ist ein Grund, dankbar zu sein!

In diesem Sinne wünsche ich uns allen noch weitere schöne und erholsame Ferien- und Urlaubstage!

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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3.8.17
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
„Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Gerechtigkeit und Güte und Wahrheit.“So sagt es uns der Wochenspruch für die kommende Woche aus dem Epheserbrief im 5. Kapitel.

Können Menschen wie ein Licht in der Dunkelheit sein? Ich denke, dass das nie wirklich leicht ist: Ein lichter Mensch zu sein. Einer, der leuchten kann, ohne damit andere in den Schatten zu stellen. Sich seiner selbst bewusst sein - und das gerade nicht so, dass andere dadurch kleingemacht werden.
Wahrscheinlich fallen Ihnen genauso wie mir viele Menschen ein, die sitzen in Dunkelheiten, die ihnen zugemutet werden von was oder wem auch immer. Sie können nur schwer Licht sehen. Viele, mit denen das Leben es offensichtlich nicht so gut gemeint hat. Da kommt ein Aufruf, wie der Vers aus dem Epheserbrief, als eine schwere Bürde daher. Die, die sich als abgehängt oder chancenlos erleben, sie empfinden eher mit Bert Brechts Mackie Messer: „Denn die einen sind im Dunkeln und die andern sind im Licht, und man siehet die im Lichte - die im Dunkeln sieht man nicht.“ Wenn man nächtliche Bilder der syrischen Stadt Aleppo aus diesem Jahr mit Aufnahmen von vor ein paar Jahren vergleicht, dann sieht man mehr als 80 % weniger Licht. Wo kein Licht ist, da ist auch kein Leben ...
In unserem Alltag machen wir immer wieder eigene Erfahrungen von Dunkelheit, Trauer und Ängsten, Druck und Gegendruck, Krankheit und Verluste, Sucht und verschiedenste Abhängigkeiten… Und über allem der Wunsch, es möge gut werden mit dem eigenen Weg. Er solle doch von Licht und Gerechtigkeit gekennzeichnet sein, von Güte begleitet und von der Wahrheit erzählen.

Der Apostel beschreibt schließlich, wie das aussehen kann: Im Licht Gottes wächst Güte und Gerechtigkeit, die dem Nächsten und den Fernen, dem Freund und dem Feind gerecht wird. In diesem Licht haben Versöhnung und Liebe Raum und deshalb auch Wahrheit, die nicht vergisst, verdrängt, wegschaut. Wer meint, in der Dunkelheit des Lebens könne man nur mit den Wölfen heulen, hält die Aussagen von der Frucht des Lichts, die lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit ist, für weltfremd. Mit unserem Bibelwort müssen wir aber sagen: Das ist nicht weltfremd, sondern weltfreundlich, weil es die Weltfreundlichkeit Gottes widerspiegelt und weil diese allein einen Weg in eine lichte Zukunft eröffnet.

Ihr Gerhard Scheller, Pfr.

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27.7.17

Liebe Leserin, lieber Leser!

Nun endlich beginnen die Ferien. Die Koffer stehen bereit. Auf geht es in den Urlaub!
Ich wünsche ihnen allen erholsame und besinnliche Tage/Wochen. Zeit für die Familie, die Kinder, den Partner. Zeit für sich selbst, die eigene Seele. Den Sonnengesang von Franz von Assis gebe ich ihnen als Reiseproviant mit, damit er die Seele erhelle und öffne für das wesentliche.

Bleiben sie Gott befohlen – Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

Der Sonnengesang

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne,
welcher der Tag ist und durch den du uns leuchtest.
Und schön ist er und strahlend mit großem Glanz:
Von dir, Höchster, ein Sinnbild.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet,
klar und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken
und heiteres und jegliches Wetter,
durch das du deinen Geschöpfen Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und fröhlich und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns erhält und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden,
denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben.
Selig jene, die er findet in deinem heiligsten Willen,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn
und dankt ihm und dient ihm mit großer Demut.

Aus: Franziskus-Quellen, Butzon und Bercker 2009

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20.7.17

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

am kommenden Sonntag wird in den Gottesdiensten aller drei Gemeindeteile die Erinnerung an die Taufe im Mittelpunkt stehen – in Mainaschaff als Familiengottesdienst, in dem auch ein Kind getauft wird. Herzliche Einladung!

Sich an die Taufe erinnern lassen – sicher: die meisten Menschen auch unserer Gemeinde sind als kleine Kinder getauft worden. Sich an das Ereignis erinnern können sich deshalb nur die, die schon ein paar Jahre alt waren bei ihrer Taufe. Bei der Tauferinnerung in den Gottesdiensten am Sonntag geht es aber nicht darum, sich das Geschehen von damals in Erinnerung zu rufen. Und es geht auch nicht so sehr um die äußeren Folgen: Zugehörigkeit zur Kirche, Teilnahme am Abendmahl, Übernahme des Patenamts, Wahlrecht bei der Kirchenvorstandswahl.

Was daran bedeutsam sein könnte, möchte ich an Martin Luther deutlich machen: Überliefert ist, dass er immer wieder mit Kreide vor sich auf den Tisch zwei lateinische Worte geschrieben hat - besonders wenn er ratlos, verzweifelt oder traurig war: „Baptismus sum“. Das heißt zu Deutsch: „Ich bin getauft.“ Diese Gewissheit brauchte er. Diese Gewissheit half ihm hindurch. Die Erinnerung an die Taufe machte ihm erneut bewusst: ja, ich gehöre zu Gott als sein Kind. Gott nimmt mich an als sein geliebtes Geschöpf. Das kann und brauche ich mir nicht verdienen und daraus kann ich leben. Das gibt meinem Leben Sinn, Kraft und Orientierung.

Ihr Gerhard Scheller, Pfr.

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13.7.17

Liebe Leserin, lieber Leser!

Feste über Feste. Jedes Wochenende ist was los, wird etwas geboten. Menschen treffen sich, um gemeinsam zu feiern; in ausgelassener Stimmung das Leben zu genießen. Und das ist auch gut so. Sich treffen, miteinander reden über Gott und die Welt neues entdecken, bei sich und dem Anderen. Das ist Leben! Leben in seiner vollen Blüte, weit weg von Zerstörung und Hass, wie in Hamburg geschehen. Wo Hass und blinde Wut regieren, ist kein Leben möglich, kein Miteinander, keine Toleranz, keine Barmherzigkeit und Nächstenliebe – da ist nur der Tod und das Verderben.

Feste liegen hinter uns. Ich denke an unser Gemeindefest in Stockstadt. Viele haben mitgeholfen, damit es gelingen konnte; viele kamen um zu feiern: die Gemeinschaft, das Leben. Danke all denen, die zum Gelingen beigetragen haben; Dank all denen, die gekommen sind und so ihre Verbundenheit mit uns gezeigt haben.

Und dann war noch das Grobirnen Fest in Kleinostheim, das große Fest unserer Schwestergemeinde St. Laurentius. Es bewegte mich, dass ich zum Festgottesdienst die Predigt halten durfte und dass ich mit Pfarrer Kaufmann gemeinsam am Altar stehen und das Leben feiern durfte. Ein Leben, das ausstrahlen soll in unseren Alltag, mit dem was wir gemeinsam Glauben und Leben. Das Zusammentreffen, die Gespräche, das gemeinsame Lachen und Feiern.

Und nun ist am Sonntag das Gemeindefest in St. Markus. Alle sind wieder eingeladen rund um die Markuskirche zu feiern. Auch wieder ein Fest des Lebens und der stetig wachsenden ökumenischen Gemeinschaft vor Ort. Neben dem Chor der Maiglöckchen und der Einsegnung unserer neuen Konfirmanden, freuen wir uns ganz besonders auf die Predigt von Pfarrer Heribert Kaufmann, von St. Laurentius.  Auch hier möchte ich allen danken, die mit helfen, ganz gleich welcher Konfession sie angehören. Mein Dank gilt auch unserem Posaunenchor, der trotz der Schwierigkeiten zusammenrückt und weitermacht. Zum Lobe Gottes und zur Freude der Menschen.

All das ist Leben, ein Zeichen gegen Tod und Zerstörung. Ein Zeichen, dass wir uns nicht einschüchtern lassen, von den dunklen Mächten dieser Welt.

„Unsere Verabredung mit dem Leben  findet im gegenwärtigen Augenblick statt. Und der Treffpunkt ist genau da, wo wir uns gerade befinden.“ (Budda)

In diesem Sinne freue ich mich auf all die Verabredungen (Feiern) in den nächsten Wochen, auch wenn ich leider nicht überall dabei sein kann. Aber ich freue mich über das Leben hier in Kleinostheim, Stockstadt und Mainaschaff!!

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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6.7.17

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

„Was blie­be von der Ru­he, wenn die Lä­den auch am sieb­ten Tag öff­nen wür­den?“ Mit dieser Frage beginnt Petra Bahr (Regionalbischöfin im Bezirk Hannover) ihren Artikel in der Wochenzeitung „Christ & Welt“ vom 8. Juni. Die Überlegungen, die Frau Bahr vorbringt, finde ich nachdenkenswert – und deshalb möchte ich sie Ihnen hier weitergeben:

„Die Deut­schen wol­len sonn­tags ein­kau­fen, je­den­falls die Mehr­heit von ih­nen. Das sagt die­se und je­ne Stu­die, die es mal wie­der bis in die ak­tu­el­len Me­di­en schafft. Sonn­tags sei end­lich Zeit, mit der gan­zen Fa­mi­lie shop­pen zu ge­hen, heißt es. Die La­den­öff­nungs­zei­ten sei­en hin­ter­wäld­le­risch. So müs­se man vor der Macht des In­ter­nets ka­pi­tu­lie­ren. Die On­lin­e­por­ta­le hät­ten schließ­lich im­mer ge­öff­net. So weit, so gut.

Man muss das nicht schmal­lip­pig und mit gro­ßer kul­tur­kri­ti­scher Ges­te kom­men­tie­ren. Ein­kau­fen ist längst mehr als die Be­sor­gung von Le­bens­not­wen­di­gem. Shop­pen, ob im Bau­markt oder in der Bou­tique, ist zum Frei­zeit­ver­gnü­gen ge­wor­den, ein Er­leb­nis mit Hin­ter­grund­mu­sik und Er­geb­nis in Tü­ten. Es ist auch hier nicht die Zeit, um über die Fra­ge nach­zu­den­ken, was mit all den Din­gen pas­siert, die wir in den Tü­ten nach Hau­se tra­gen, dem vier­ten Paar Snea­ker oder der drit­ten Bohr­ma­schi­ne. Schließ­lich ist heu­te kein Sonn­tag.

Trotz­dem wun­de­re ich mich. Denn die Mehr­heit der Deut­schen will ja am Sonn­tag auch an­de­re schö­ne Din­ge tun. Nein, ich mei­ne nicht den Got­tes­dienst. Ob­wohl ja auch hier schon der Vor­schlag kommt, die Kir­che doch erst dann zu öff­nen, wenn die Lä­den in den In­nen­städ­ten schlie­ßen, al­so um 18 Uhr. Doch was wird aus dem Sonn­tags­bol­zen mit Freun­den? Es wird in Zu­kunft viel schwie­ri­ger sein, elf Freun­de zu­sam­men­zu­be­kom­men, wenn die ei­nen im La­den ste­hen und die an­de­ren sich zum Shop­pen tref­fen. Au­ßer­dem: Wenn am Sonn­tag die Lä­den auf­ha­ben, war­um nicht auch die Be­hör­den? Ist doch viel ent­spann­ter, wenn die Rei­se­päs­se für die Fa­mi­lie am Sonn­tag be­an­tragt wer­den kön­nen. Und wenn die Be­hör­den und Lä­den öff­nen, war­um sind dann die Kin­der­gär­ten ge­schlos­sen? Schließ­lich will man doch man­ches auch in Ru­he ma­chen, und wer schon mal ein paar nör­geln­de Fünf­jäh­ri­ge durch ei­nen Kauf­hof ge­zo­gen hat, weiß, was ich mei­ne.

Wenn Lä­den, Be­hör­den und Kin­der­gär­ten öff­nen, um den Sonn­tag mal rich­tig ge­nie­ßen zu kön­nen, wird sich der ei­ne oder an­de­re Ar­beit­ge­ber fra­gen, wo­für Sonn­tags­zu­schlä­ge ei­gent­lich gut sind und war­um die Ma­schi­nen nicht auch am Sonn­tag durch­lau­fen sol­len, wie es in Aus­nah­me­fäl­len heu­te schon der Fall ist. Und wenn das so ist, müs­sen na­tür­lich auch die Kran­ken­häu­ser und Arzt­pra­xen auf­ha­ben. Dann ist un­ter der Wo­che al­les nicht so hek­tisch. Ganz in Ru­he zur Zahn­rei­ni­gung, das ist doch sonn­tags viel an­ge­neh­mer als diens­tags nach der Ar­beit, oder? Das fin­den Sie über­zo­gen? Ich ver­su­che nur die Kon­se­quen­zen zu den­ken, so­zu­sa­gen in deut­scher Gründ­lich­keit, und Fra­gen zu stel­len, die die Markt­for­schungs­in­sti­tu­te nicht in­ter­es­sie­ren: Was bleibt vom Sonn­tag ei­gent­lich üb­rig?“

Nicht viel – das wäre die Konsequenz, meint nicht nur Frau Bahr. Denn es wären dann nicht nur ein paar wenige von Sonntagsarbeit betroffen, sondern viel mehr. Wollen wir das? Ich nicht. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.

Ihr Gerhard Scheller, Pfr.

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6.7.17

Liebe Leserin, lieber Leser!

Nun sind wir also mittendrin, in der sogenannten festlosen Zeit. Vorbei die großen kirchlichen Feste, wenn gleich es jetzt an jedem Wochenende bis zum Spätsommer die unterschiedlichsten Feste der zahlreichen Vereine gibt. Vom Kirchenjahr hergesehen, begeben wir uns in die Niederungen des christlichen Alltags. Der Weihnachtsfestkreis ist geprägt von der Vorfreude auf das Kommen Jesus und die Freude über seine Geburt. Der Osterfestkreis rückt das Leben Jesu in den Mittelpunkt, über Leiden, Tod und Auferstehung. Nun in der Trinitatiszeit geht es an das „Eingemachte“, sprich: es geht um die Umsetzung dessen, was Jesus gelehrt und uns aufgetragen hat. Wie lebe ich als Christ? Wie versuche ich in meinem Leben, die Botschaft Jesu lebendig zu gestalten? Wo zeigt sich bei mir Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Vergebung und Nachfolge? Wo ist und bleibt unser Glaube präsent, mitten in einer Gesellschaft, wo wir oft genug nicht mehr gehört bzw. wahrgenommen werden? Wo die christlichen Werte unserer Gesellschaft von vielen Menschen in Frage gestellt werden bzw. in Vergessenheit geraten. Wo Menschen sich vielleicht auch scheuen, ihren Glauben zu zeigen.
Eine Demonstration des Glaubens, so nannte Pfarrer Kaufmann im vorletzten Blättsche, die Prozession zu Fronleichnam. Öffentliches Bekenntnis zu unserem Glauben, zu unserem Herrn Jesus Christus. Ich nahm an diesem Gottesdienst teil. Für mich war es das erste Mal, dass ich an einem Gottesdienst und der Prozession an Fronleichnam teilnahm. Das lag zum einen gewiss daran, dass ich bis dato keine Gelegenheit dazu hatte und es für mich auch keinen zwingenden Anlass gab. Nun aber, hier in Kleinostheim und Umgebung, sieht es anders aus. Wir sind in der Minderheit, in den vielen Orten ringsum wird dieser Tag festlich begangen… Hinzu kommt, dass wir in diesem Jahr der Reformation gedenken und auf beiden Seiten - evangelisch wie katholisch – ein Nachdenken darüber eingesetzt hat, dass wir Grenzen überwinden können und auch müssen. „Versöhnte Verschiedenheit“ ist so ein Leitwort für die Ökumene in diesem Jahr. Einander wahrnehmen in der Ernsthaftigkeit des Glaubens und nach Wegen des Miteinanders suchen und nicht wie früher geschehen, dem anderen eins auswischen zu wollen. So war es früher Gang und Gebe, da wo katholische und evangelische Christen lebten, an den Feiertagen, die dem anderen wichtig waren (Karfreitag einer der höchsten evangelischen Feiertage; Fronleichnam), punktgenau diesen Tag zu diskriminieren (Wäsche waschen oder Straße kehren an Karfreitag; Mistfahren an Fronleichnam). Gott sei es gedankt, dass das vorbei ist… Und so hoffe ich sehr, dass die Fronleichnamsprozession 2017 ein Meilenstein in unsere(n) Gemeinde(n) ist/war. Eine Prozession, eine Demonstration des Glaubens mit Dingen und Symbolen, die auch dem anderen wichtig sind. Gleichberechtig nebeneinander die Monstranz und die Bibel; die Gegenwart Christi/Gottes in Brot und im Wort!
Möge das uns allen Christen, egal welcher Konfession wir angehören, Mut machen unseren Glauben zu leben und auch in aller Öffentlichkeit zu bekennen!

In Dankbarkeit für diese neuen Wege –

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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22.6.17

„Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“, wenn ich mit Schülern über das Datum der Geburt Jesu gesprochen habe, habe ich immer auch dieses Bibelwort aus dem Johannesevangelium (Kap. 3, Vers 30) zitiert. Es ist das Zeugnis Johannes des Täufers, der wie kein anderer als Wegbereiter von Jesus Christus gilt. Was meint Johannes mit diesen Worten? Die Schüler vermuteten dann oft, dass Johannes wohl Probleme mit seinem Gewicht gehabt haben könnte, weil er abnehmen wolle. Dazu passt aber nicht, wie dieser Johannes gelebt hat: In Kamelhaar gekleidet und sich von Heuschrecken ernährend - so plastisch wird Johannes der Täufer im Matthäusevangelium beschrieben. Also: zu dick war er sicher nicht – im Gegenteil. Es geht Johannes hier nicht um sein Körpergewicht, sondern um die Bedeutung von ihm und von Jesus. Die Bedeutung von Jesus muss zunehmen, seine Bedeutung wird abnehmen. 

Dennoch sagt er seinen Zuhörern ungeschminkt seine unbequemen Wahrheiten, nennt sie „Schlangenbrut“ und fordert eine radikale Lebenswende. Ein Bußprediger und Prophet alten Stils: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbei gekommen“ (Mt 3,2), lautet seine Botschaft.

Berühmtheit aber hat der Prophet durch seine Verwandtschaft und Nähe zu Jesus Christus erlangt. Er, der Cousin ist es, von dem sich Jesus die Taufe erbittet, obwohl sich Johannes nach biblischem Zeugnis zunächst dagegen wehrt: „Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?“ (Mt 3,14) So ist er Zeuge der großen Zusage, die Gott Jesus in der Taufe gibt: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Die Wertschätzung ist übrigens gegenseitig. Auch Jesus hat sich sehr positiv über seinen unbequemen Cousin geäußert: „Wahrlich, ich sage euch: Unter allen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner aufgetreten, der größer ist als Johannes der Täufer.“ Dennoch wird die Bedeutung des Täufers auch relativiert: „Der aber der Kleinste ist im Himmelreich, ist größer als er (Mt 4,14).“ Er ist ein Zeuge, ein Prophet - nicht mehr und nicht weniger.

So ist es nicht verwunderlich, dass schon im 4. Jahrhundert das Fest der Geburt Johannes des Täufers am 24. Juni gefeiert wurde - sechs Monate vor der Geburt seines großen Verwandten und in unmittelbarer Nähe zur Sommersonnenwende. Während an Weihnachten, in der dunkelsten Zeit des Jahres der Einbruch des Lichtes in die Dunkelheit gefeiert wird, werden die länger werdenden Nächte um den Johannistag mit dem eingangs genannten biblischen Zitat verknüpft: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen (Joh 3,30)“, bezeugt Johannes der Täufer über Jesus. Die Aussage ist prophetisch: Kurz darauf wird Johannes von König Herodes gefangen genommen und schließlich auf Veranlassung von dessen Stieftochter Salome enthauptet (Mt 14).

Mit den immer länger werdenden Nächten passt sich das Johannisfest gut in die „Dramaturgie“ des Kirchenjahres ein: Von Johannis an bis kurz vor Weihnachten werden die Tage immer dunkler, bis das Fest der Geburt Jesu in die Dunkelheit hineinstrahlt – und die Tage wieder länger werden. Die nach Weihnachten zunehmende Länge der Tage steht für die wachsende Bedeutung Jesu in dieser Welt und das Licht, das durch ihn in unser Leben und Zusammenleben kommt.

Ihr Gerhard Scheller, Pfr.

 

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18.5.17

Liebe Leserin, lieber Leser!

Rogate – Betet! – so heißt der kommende Sonntag. Diese Aufforderung stammt von Jesus persönlich (Johannes 16,23-33). Sie ist nicht als Pflichtübung gemeint, sondern als Einladung zu einer großen Chance! Es ist schon ungeheuerlich, dass Jesus sagt: „Wenn ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er es euch geben!“ Ihr werdet also nicht vergeblich bitten, sondern werdet Nehmende sein, „dass eure Freude vollkommen sei!“

Natürlich werden jetzt viele skeptisch zurückfragen, ob Jesu Zusage wörtlich genommen werden dürfe und wirklich zutreffe. Insgeheim nagt der Zweifel, ob das Beten überhaupt etwas bringe, ob es nicht nur ein autosuggestives Selbstgespräch sei – eine Täuschungsübung sozusagen, mit der wir unser seelisches Gleichgewicht herzustellen versuchen. Aber in allen Religionen dieser Erde spielt das Gebet eine führende Rolle als wichtiger Brückenschlag zwischen irdischer und himmlischer Welt. Nicht erst seit Jesus wird gebetet. Er selbst stand in der hochkultivierten Gebetstradition seines jüdischen Volkes.

Das Gebet kann förmlich als Gradmesser der Intensität des religiösen Glaubens gewertet werden. Sag mir, welchen Stellenwert du dem Gebet gibst und ich sage dir, was von deinem Glauben zu halten ist! Gebetsarmut offenbart Glaubensarmut. Recht logisch klingt diese Äußerung eines Unfallpatienten im Krankenhaus: „Ich bin Atheist! Denn wenn es bei den vielen Scheußlichkeiten, die ich schon erlebt habe, einen Gott gäbe, müsste er ein Sadist sein. Aber zu einem Sadisten kann ich nicht beten; da hört jedes Gebet auf.“ Unbewusst hat der Patient uns den gewaltigen Unterschied zwischen einem Gebet „im Namen“ unserer egoistischen Wunschträume und jenem „im Namen Jesu“, bei dem Gottes Wille im Mittelpunkt steht, klar gemacht.

Gott ist das pure Gegenteil eines Sadisten. Jesus hat sich dafür verbürgt, dass Gott mit jedem, der sich seiner Botschaft öffnet, nur Ziele des angstfreien Friedens, des tiefsten Heils und der reinen Freude im Sinn hat. Bürger seines Reiches zu werden, das niemals mit unserer irdischen Welt verwechselt werden darf, ist sein Plan mit uns Menschen. Jesu Wille ist es, dass wir diesen Heilsplan und seine allmähliche Verwirklichung in den Mittelpunkt unserer Gebete stellen: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe im Himmel und auf Erden!“
Im Namen Jesu zu beten heißt auch, die Angst vor den Scheußlichkeiten dieser Welt zu überwinden und dem gänzlich positiven Reich Gottes nahe kommen zu dürfen. Also beten wir doch noch mehr im Namen Jesu!

„Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es von Herzen kommt!“

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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15.5.17

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Name des kommenden Sonntags ist „Kantate“ – „Singt“. Er hat diesen Namen nach dem ersten Wort des Psalms für diesen Sonntag und die neue Woche. Den Text dieses Psalms 98 möchte ich Ihnen hier in einer neueren Übertragung zum Lesen und Mitbeten geben:

Singt Gott ein neues Lied;
denn er überschüttet uns
mit Geschenken aus seiner Hand,
mit Geschenken des Lebens.
Er sorgt für neue Hoffnung
durch seine große Kraft.
Er gibt sein Ziel für
ein rundes und erfülltes Leben bekannt
und lässt die Völker wissen,
was er sich unter Gerechtigkeit vorstellt.
Er vergisst nicht,
was er für das Volk Israel getan hat,
als er es in die Freiheit führte
und in der Wüste bei ihm blieb:
mit seiner ganzen Zuwendung und Treue.
Das muss sich doch herumsprechen
in der Welt!
Lasst eure Herzen sprechen,
ihr Menschen,
singt, lacht, freut euch, tanzt
und macht Musik.
Musik mit allen Instrumenten,
die ihr findet.
Das Brausen des Meeres
ist die schönste Begleitung,
das Plätschern der Bäche ist wie Gesang,
und die Kuppen der Berge strahlen
wie frohe Gesichter.
Denn Gott wird kommen
mit nicht auszumessender Gerechtigkeit
das Erdreich zu richten.
Wunder tut der, der kommt.

Amen.

Stimmen Sie doch mit ein in das Lob Gottes und singen Sie mit am kommenden Sonntag im gemeinsamen musikalischen Gottesdienst der Pfarrei um 10:15 Uhr in der Markuskirche Kleinostheim. Zusammen mit dem Chor unserer Gemeinde freue ich mich auf Ihr Kommen – auch über Gemeindeglieder aus Stockstadt und Mainaschaff.

Ihr Gerhard Scheller, Pfr.

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4.5.17

Liebe Leserin, lieber Leser!

Endlich ist er da: der Wonnemonat Mai. Überall grünt und blüht es. Eine wahre Pracht und ein schönes Gefühl nach den kalten Tagen. Ich wünsche uns allen ein klaren und erhellenden Blick für die Schönheit der Schöpfung, die uns immer wieder auch etwas sagen möchte:

Die Blumen 
In einem Garten standen: eine Pfingst-Rose; eine Schwertlilie; ein Stiefmütterchen; ein Löwenmäulchen; ein Gänseblümchen – und ein Frauenmantel.
Eines Tages kam ein Mensch in diesen Garten, sah die schönen Blumen und bewunderte sie. Dann nahm er ein Maßband zur Hand und fing an, alle Blumen zu vermessen: die Länge ihrer Stängel und Blätter und die Größe und Weite ihrer Blüten. Er trug die Daten in eine Tabelle in und ging weg.
Selbstbewusst stand die große, prächtige Schwertlilie auf ihrem hohen Stängel: So groß und stark wie ich ist keine andere! Ich bin weithin sichtbar; ich leuchte so herrlich – so dachte sie. Die Pfingst-Rose aber meinte: Ich bin zwar keine Rose und meine Namensschwester mag schöner duften als ich! Aber dafür blühe ich jetzt gerade rechtzeitig zum Geburtstag der Kirche – welch eine Pracht doch durch mich in die Welt kommt! Voll Stolz betrachtete das Löwenmäulchen seine zahlreichen Blüten: Wie hübsch ich doch bin! Ich blühe am schönsten! Nun fingen die drei an, mit ihren Vorzügen zu prahlen. Es gab ein lautes Durcheinander – und schon bald entstand ein heftiger Streit daraus.
Das Stiefmütterchen, das Gänseblümchen und der Frauenmantel wurden kleiner und kleiner. Doch sie trösteten einander und das Gänseblümchen sprach zum Frauenmantel: Mach dir nichts draus! Auch uns mögen viele Menschen sehr.
Ja, ich weiß – antwortet der Frauenmantel. Ich bin zwar in meiner Blüte unscheinbar und werde leicht übersehen. Aber mein Name zeugt von hoher Wertschätzung – Frauenmantel – so, als ob die heilige Jungfrau Maria mich um ihre Schultern legen wollte. Und Heilkräfte besitze ich auch!
Das Stiefmütterchen hatte bisher geschwiegen. Doch nun sagte es zu den anderen: Was habt ihr nur!? Wie könnt ihr euch messen nach Größe, Stärke, Duft und Farbenpracht? Habt ihr vergessen: Ob groß oder klein, stark oder schwach – jede von uns hat von unserem Schöpfer ihr eigenes Kleid erhalten. In seinen Augen sind wir alle schön! Wir alle werden von ihm in gleicher Weise beschenkt mit Licht und Wasser, Wärme und Wind. Denn lieben tut er alle gleich. Und dass wir so verschieden sind – das eben macht den Reichtum der Schöpfung aus. (Quelle unbekannt)

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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27.4.17

Liebe Leserin, lieber Leser,

vor etwa zwei Wochen hatte ich ein Gespräch mit einer jungen Frau, die den Eintritt in die evangelische Kirche erwägt. Durch ihre Familie ist sie in eine Pfingstgemeinde in der Region hineingewachsen und ließ sich dort mit 14 Jahren taufen. Und das markierte für sie bisher auch den größten Vorbehalt gegen die evangelische Kirche: Für sie gehört die eigene Entscheidung, das eigene JA zum Glauben unbedingt dazu. Ich versuchte ihr deutlich zu machen, warum die evangelische Kirche, die durch Martin Luther geprägt ist, immer noch die Taufe von kleinen Kindern praktiziert. Jeder Taufe geht das JA Gottes voraus – auch der von Erwachsenen. Und die Kindertaufe betont genau diesen Aspekt besonders deutlich: Ich bin von Gott angenommen ohne Vorbedingungen – was ja eine grundlegende Erkenntnis Luthers ist.

Freilich: Die junge Frau hat jetzt auch nicht ganz unrecht: ein eigenes JA zum Glauben sollte deshalb nicht unwichtig werden. Genau diese Überlegung hat bereits vor 478 Jahren zur „Erfindung“ der Konfirmation geführt. Vorausgegangen war ein heftiger Streit verschiedener reformatorischer Strömungen um die Taufe. Die Bewegung der Täufer nämlich war der Auffassung, dass nur getauft werden kann, wer zuvor auch glaubt. Ein Säugling sei zu einer Glaubensentscheidung aber nicht in der Lage, argumentierten sie. Folglich sei die Praxis der Säuglingstaufe grundfalsch. Diese und andere Forderungen der Täufer führten in vielen Regionen zu Unruhen.

Landgraf Philipp von Hessen (1504-1567) schreckte vor einem gewaltsamen Vorgehen zurück. Er rief den elsässischen Reformator Martin Bucer (1491-1551) zu Hilfe, der auch in Täuferkreisen Anerkennung genoss. Heraus kam folgender Kompromiss: Die Kindertaufe wurde zwar beibehalten. Die Heranwachsenden aber sollten zu einem Katechismusunterricht geschickt werden, der in einer symbolischen Handlung vor der Gemeinde gipfelte. Dadurch könnten sie nachträglich ein "Ja" zu ihrer Taufe sagen. Somit entsprach Bucer dem Anliegen der Täufer, ohne die Säuglingstaufe aufzugeben: Die Konfirmation war geboren.

In dem hessischen Städtchen Ziegenhain, heute ein Stadtteil von Schwalmstadt im Schwalm-Eder-Kreis, entstand 1539 unter der Federführung Bucers die sogenannte „Ziegenhainer Zuchtordnung“. In ihr wurde unter anderem der verbindliche Unterricht in Glaubensfragen für alle Kinder angeordnet.

Nach wie vor hat die Konfirmation, in dem die meist 14-Jährigen ihren Glauben öffentlich bejahen, eine hohe Bedeutung im kirchlichen Leben. Und sie gehört zu den wichtigsten Familienfesten unter Protestanten. In den Wochen um Ostern lassen sich in Deutschland jedes Jahr rund 250.000 Mädchen und Jungen konfirmieren. In feierlichen Gottesdiensten werden sie durch Handauflegen gesegnet und erhalten einen biblischen Konfirmationsspruch, der sie ein Leben lang begleiten soll.

In Kleinostheim war die Konfirmation bereits am Palmsonntag, in Stockstadt werden die Jugendlichen am kommenden Sonntag vom Guten Hirten konfirmiert, und am Sonntag darauf – Jubilate – schließt die Konfirmation in Mainaschaff die Runde in der Pfarrei St. Markus ab. Unsere Jugendlichen sprechen ihr eigenes JA zum Glauben. Wir wünschen ihnen ein schönes Fest und für die Zukunft alles Gute und Gottes Segen.

Ach ja: Die junge Frau, von der ich erzählte, denkt mittlerweile auch etwas anders über die Kindertaufe. Dass wir unseren Glauben nicht allein auf unser eigenes JA gründen können sondern als Christen vor allem aus dem JA Gottes zu dieser Welt, dem Leben und auch zu mir selbst leben, hat ihr eingeleuchtet.

Ihr Gerhard Scheller, Pfr.

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20.4.17

Liebe Leserin, lieber Leser!

An diesem Sonntag, er heißt Quasimodogeniti, das heißt übersetzt: „Wie die neugeborenen Kinder“, zogen in der alten Kirche die Täuflinge, die in der Osternacht getauft wurden, noch einmal ihre weißen Gewändern an. Ein neues Leben hatte für sie begonnen. Ein Leben im Glauben an Gott. An diesem Sonntag wird in unserer Kirche die Geschichte vom Apostel Thomas gelesen, wie sie nur Johannes überliefert. Die Jünger erzählen Thomas, wie ihnen der Auferstandene erschienen ist. Thomas aber, der nicht dabei gewesen war, konnte den Worten der anderen keinen Glauben schenken. „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich´s nicht glauben.“
Dieser Satz führte zu dem Beinamen: „der Ungläubige“ bzw. „der Zweifelnde“ Thomas. Ich frage mich, warum hat Johannes diese Geschichte erzählt? Ein Zweifler, ein Ungläubiger im Mittelpunkt!?
Thomas – ein Vorbild! „Thomas – ein Vorbild?“, mögen manche von Ihnen fragen. Der zweifelnde, der wankelmütige Thomas soll ein Vorbild sein? Der sehen muss, um glauben zu können. Der sogar fühlen möchte. Der es genau wissen will.
Zumindest darin ist er uns doch ein Vorbild, oder? Wer von uns möchte nicht genauer wissen, wie es mit der Auferstehung Jesu gewesen ist? Wer von uns wünscht sich nicht manchmal an die Stelle von Thomas und den anderen Jüngern, die Jesus als Auferstandenem begegnen konnten, ihn sehen konnten? Weil es so schwierig ist, nicht zu sehen und doch zu glauben, preist Jesus die selig, die so glauben können. Will man den Umfragen Glauben schenken, können selbst viele Christen das eben nicht mehr.
Dieser Thomas ist für mich u.a. deshalb ein Vorbild, weil er die Nachricht der Anderen nicht einfach als dummes oder überdrehtes Geschwätz abtut. Nein, er möchte es wissen, er möchte es sehen können, was es mit dem Auferstanden auf sich hat. Und Jesus selbst nimmt Thomas ernst. Als er ihm erscheint, tadelt Jesus Thomas nicht. Nein, er nimmt ihn ernst und gewährt ihm seine Bitte! Ob Thomas durch die Berührung der Wunden zum Glauben gekommen ist oder dadurch, dass Jesus ihn anspricht – ähnlich wie Maria Magdalena im Garten bei dem Grab, als sie Jesus zunächst für den Gärtner hält – lässt der Evangelist offen. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass in dem Moment wo Jesus Thomas persönlich anspricht, ähnlich wie Marie, sein Herz zu glauben beginnt und Thomas Jesus mit ganz anderen Augen sieht. „Mein Herr und mein Gott!“ Mit diesen fünf Worten bezeugt Thomas nun seinen Glauben an den Auferstandenen. In der Kunstgeschichte wird Thomas in dieser Situation oft als kniend dargestellt. Thomas ergibt sich, übergibt sich Jesus ganz… „Nimm mich so wie ich bin.“
Darin ist mir Thomas ein Vorbild. Ich möchte mich von Gott ansprechen lassen in und durch seine Worte. Die Worte, die Thomas vor fast 2.000 Jahren gehört hat, sie gelten heute uns, heute sind wir die Angesprochenen. Auch ich möchte Gott meinen Glauben bekennen. Mitten in meinem Alltag. Dazu braucht es gar nicht vieler Worte. In Jesus meinen Herrn und Gott zu erkennen und zu bekennen, das reicht aus. Ich möchte mich ihm anvertrauen, das heißt in jedem Moment meines Lebens nicht auf meine Kraft, auf meine Fähigkeiten bauen, sondern auf seine Gnade und Fürsorge. Ich möchte ihn empfangen – im Abendmahl und genauso im Alltag. Es soll keine gottfreie Zone in meinem Leben geben, sondern in allem schaue ich auf den Auferstandenen, wie Thomas auf Jesus schaut. Der Ort, an dem Hingabe und Vertrauen, an dem Gemeinschaft mit Gott ihren Anfang nimmt, ist das Gebet, das tägliche Gespräch mit ihm. Wenn mir das gelingt, auch ein neues Sehen und Hören, dann kann ich auch glauben ohne zu sehen.
In der Taufe hat Gott mich einst angesprochen, bei meinem Namen gerufen, so wie Maria von Magdala, oder Thomas.
Möge die Osterzeit unsere Herzen weit werden lassen und unsere Zweifel überwinden. Denn, Gott kennt und liebt mich und dich!

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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13.4.17

Liebe Leserin, lieber Leser,

alte Kirchen haben manchmal große, hohe gotisches Fenster, in denen dann oft biblische Geschichten dargestellt sind. Einmal sah ich eine ungewöhnliche Kombination von zwei biblischen Geschichten, die man auf Anhieb nicht zusammenbringen würde. Auf einem der Felder dieses gotischen Fensters steigt ein Mann in weitem grünem Mantel auf einen Berg, zwei schwere Türflügel auf den Schultern. Eines Tages, so erzählt das Alte Testament, stieg Simson, der Anführer der Israeliten in der Zeit vor den Königen Israels, allein in die Ebene an der Mittelmeerküste hinab und übernachtete in der Stadt Gaza. Die Phi­lister, die die Herren der Stadt waren, entdeckten ihn und beschlossen, ihn am anderen Morgen zu überfallen und umzubringen. Da stand Simson um Mitternacht auf, ging zum Stadttor, riss die Pfosten her­aus, an denen die Türflügel hingen, und trug das ganze Tor bis zum Morgengrauen auf die Höhe eines Berges in Judäa.

In jenem gotischen Fenster steht seine Geschichte neben der Auf­erstehung Christi. Das will sagen: Der hier für sein Volk in die feindliche Stadt hinabsteigt, den der Feind gefan­gen und überwunden glaubt, der um Mitternacht aufsteht, das Tor aufbricht und auf die Berge trägt, bis er im Mor­gengrauen siegreich über der Dunkelheit steht, ist für uns nicht Simson, sondern Christus.

Die Situation ist uns vertraut: Wir entdecken, dass es Ziele gibt, die wir in diesem Leben nicht mehr erreichen, dass Chancen verpasst sind und Schuld nicht mehr beseitigt wer­den kann. Der Mauerring schließt sich, und wir können nur noch, durch eine lange Nacht gleichsam, abwarten, dass die Männer von Gaza ins Zimmer treten und mit ihnen der Tod. Da erzählt nun die Ostergeschichte, es sei einer auf­gestanden, den der Tod schon umschlossen hatte. Er habe aber nicht nur ein Tor geöffnet und es wieder hinter sich geschlossen, er habe vielmehr das ganze Tor davongetra­gen. Christus, so sagt Paulus, ist der Erstling unter denen, die schlafen. Wir nun sollen hinter ihm hergehen aus dem schlafenden Häusermeer, mit ihm durch die Nacht auf den Berg steigen und, wenn die Sonne aufgeht, dort sein, wo man in die Freiheit hinübersieht.

Ein frohes Osterfest wünscht Ihnen Ihr

Gerhard Scheller, Pfarrer

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6.4.17
Liebe Leserin, lieber Leser!

„Da musste sogar die Mutter weinen.“ Reaktion eines Kindes nach der Betrachtung eines Kreuzweges. Irgendetwas war so schlimm, dass sogar die Mutter weinen musste. Was sich dem Kind so nachdrücklich eingeprägt hatte, war das Bild Marias mit dem toten Sohn auf dem Schoß. Und es drückt damit aus, was wir alle empfinden. Wenn eine Mutter (oder auch ein Vater) ihr Kind beweinen muss, stimmt irgendetwas nicht. Dann ist die Ordnung auf den Kopf gestellt. Dass Kinder den Tod ihrer Eltern beweinen, entspricht dem Lebenslauf. Doch wenn Eltern ihr Kind beweinen, dann hält sich der Tod nicht an die Regeln, tritt zur Unzeit ein, lässt uns fassungslos zurück.

In Schmerz und Trauer erstarrt, hart geworden wie ein Stein, fassungslos – so lässt der Tod Eltern zurück, die um ihr Kind trauern. Ich erinnere mich an Kindergräber, die noch dreißig und vierzig Jahre nach dem Tod des Kindes liebevoll gepflegt, mit Blumen geschmückt sind, als ließe das Grauen nicht nach, als habe der Tod die Trauernden immer noch in seiner Gewalt. Keine Spur von „Loslassen“, weil es wie Verrat erscheint, als Fallen-Lassen empfunden wird. Oder können diese Gräber auch eine andere Sprache sprechen?

Die Pietà (z. dt. „Mutter der Schmerzen“) auf dem Bild drückt trotz aller Trauer etwas Leichtes aus; es nimmt seinen Ursprung von der Geste Marias. Sie lässt los, sie klammert sich nicht krampfhaft an den toten Sohn. Man mag einwenden, Maria willige in das Unvermeidliche ein, ihre Geste sei Ausdruck der Resignation. Doch ich empfinde es anders. In meinen Augen öffnet sich Maria, bietet sich selbst und ihren toten Sohn Gott an, lässt los, im Vertrauen auf Ihn, der Halt schenkt. Die Bibel kennt für dieses Verhalten ein wunderschönes Wort. Sie spricht von „Hingabe“. Ein altes Wort, das vielen nichts mehr sagt, manchen auch zu pathetisch ist. Die Bibel kennt dieses Pathos nicht. In ihr ist „Hingabe“ die Antwort der Menschen auf Situationen, in denen ihnen Gott rätselhaft, ja, verborgen oder gar grausam erscheint. Situationen, die wir auch kennen: In denen wir Gott anklagend nach dem „Warum“ fragen und ohne Antwort bleiben.

Ich wünsche mir, dass ich, wenn ich solche Erfahrungen machen muss, aushalten kann und „darunterbleibe“ – das biblische Wort für Geduld. Dass ich darauf vertrauen kann, dass in allem Geschehen Gottes wirkende Liebe schon da ist. Geduldig sein und warten können – oder, um es mit Simone Weil zu sagen: „… mit Geduld die Geduld Gottes erschöpfen …“ Ich glaube, wenn ich so auf Gott warten könnte, dann würde ich auch nicht ohne Antwort von ihm bleiben; wenn ich mich selbst so loslassen könnte, würde ich nicht ohne Halt bleiben. Das ist meine Hoffnung.

Und diese Hoffnung beantwortet Gott mit dem Ostergeschehen, in das ich hineingenommen werde, trotz mancher Anfechtung und Zweifel, wie einst mein Namensvetter „Thomas“.

Ich wünsche Ihnen und Euch allen eine gesegnete und besinnliche Karwoche und ein lebendiges Osterfest!

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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30.3.17

Liebe Leserin, lieber Leser,

vielleicht kennen Sie es, das Passionslied „Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt…“ (Nr. 98 im evang. Gesangbuch). Ich singe es immer wieder gerne – auch am vergangenen Sonntag wieder. Diesem Lied liegt der Wochenspruch dieser zu Ende gehenden Woche nach dem Sonntag Lätare zugrunde. Im Johannesevangelium 12,24 wird von Jesus überliefert: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es ein einzelnes Korn, wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“

Was für ein kraftvolles Bild! Jesus wählte oft Ver­gleiche aus den Lebensberei­chen der Menschen, die jeder nachvollziehen und verstehen konnte. Wachsen und Blühen in der Natur, Bilder vom Leben, von Reifen und Frucht sind nicht selten Hintergrund seiner Verkündigung. So auch hier. Wenn wir als Kinder Getreidehalme ausgerissen hat­ten, hing manchmal das Korn noch dran - aber es war tot und verbraucht. Eine leere Hülse. Zunächst aber – das sieht man nicht – liegt das Korn in der Erde, der Keim wächst und sucht das Licht, das Korn gibt ihm dazu Nahrung. Der Trieb bekommt Wurzeln und das Korn stirbt, es hat seinen Dienst getan. Der neue Halm ist da, er trägt die Ähre und ihre Frucht.

Neugierige Fragesteller sind es, denen Jesus mit diesem Bildwort antwortet. Der Bibelabschnitt erzählt, dass auch Griechen zum Fest gekom­men waren. Sie wollten Jesus sehen. Warum? Um einen reli­giösen Wundertäter zu erleben, eine Sensation, die sich verkaufen lässt? Sie müssen bitter enttäuscht gewesen sein. Jesus redet stattdessen von  Sterben und Tod und von der Frucht, die daraus wachsen soll – und meint damit sich selber.

Das geht gegen den Strich. Sie wollten auch damals Je­sus anders. Machtvoll und mit Herrlichkeit, einen, der über­zeugt und regiert, der die Dinge in die Hand nimmt und bewegt. So wie heute: Größe und Lei­stung sind gefragt, Selbstverwirklichung und Selbstdarstellung sind die Lö­sung. Entsagung und Verzicht, Selbstpreisgabe und Dienst zählen wenig. Das geht gegen den Strich und verstößt gegen das Lebensgefühl unserer Tage.

Wie beim Weizenkorn. Das Weizenkorn wird in die Erde gelegt, es stirbt, aber dar­aus kommt die Frucht. Denn alle Verände­rungen fangen klein an, wie beim Weizenkorn. Die kleinen Schritte sind wichtig. Wenn es gelingt, den eigenen Egoismus sterben zu lassen. Wenn ich mich nicht mehr nur selber sehe, sondern auch den anderen im Auge habe. Wenn ich herge­ben kann, um auch andere froh und satt zu machen. So ist Frucht mehr als Erfolg und Leistung.

Aus Jesu Sterben ist Frucht erwachsen: Millionen Menschen haben Trost, Geborgenheit und Freiheit gefunden, weil er auch im Sterben nicht vom Weg der Liebe Gottes abgewichen ist. Weil zu seinem Leben das Sterben gehört, haben viele das Leben gefunden.

Ihr Gerhard Scheller, Pfr.

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23.3.17

Liebe Leserin, lieber Leser!

Jede Woche steht in der evangelischen Kirche unter einem Wochenspruch. Für die nun zu Ende gehende Woche war es ein Wort aus dem Lukasevangelium. „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ Es geht um die Nachfolge Jesu. Darum, wie wir unser Leben ausrichten, was unser Leben bestimmt und wovon wir uns bestimmen lassen.
Ein Rückblick auf unser Leben ist manchmal durchaus von Nöten, damit wir erkennen, wo wir etwas falsch gemacht haben. Die Passionszeit hat da ihre eigenen Möglichkeiten, sein eigenes Leben und Wirken im Lichte des Leidensweges Jesu, zu betrachten. Was kann ich bei mir ändern? Wo laufe ich in eine falsche Richtung? Was bestimmt eigentlich mein Leben? Bin ich selbstbestimmt oder doch eher fremdbestimmt? Was ist mir wichtig im Leben? Was sind oder waren meine Ziele?
Für all das brauche ich einen Blick, der auch einmal zurückgeht, ohne Frage.
Doch was Jesus mit diesem Wort meint bzw. wovor er uns warnen möchte ist dies: Ein ständiges Zurückschauen, ein sich ständig Zurücksehnen, nimmt uns die Kraft für das Leben im Hier und Jetzt. Natürlich gibt es vieles im Leben, was uns die Kraft, aber auch den Mut oder die Hoffnung nimmt. Der Tod eines geliebten Menschen, ist so eine große Herausforderung an uns. Schaffen wir es den Verlust zu überwinden? Gelingt es uns, auch ohne den anderen, wieder ins Leben zurück zu finden?
Gewiss, das sind extreme Erfahrungen, aber eben Erfahrungen, die jeder von uns schon gemacht hat oder vor denen er irgendwann einmal stehen wird.
In diesen zurückliegenden Tagen jährte sich für mich ganz persönlich, der erste Todestag meiner Schwester. Natürlich gingen die Gedanken und der Blick zurück. Es war die Frage, was mehr im Vordergrund stand: Das schwere Sterben oder die Dankbarkeit an ihrem Sterbebett stehen zu können? Die Schwere des Verlustes oder die schönen Erinnerungen?

Ein Wort, das mir half, diesen Verlust anzunehmen, stammt von Dietrich Bonhoeffer, der es am Heiligenabend 1943 aufgeschrieben hat. Ein Wort, das auch all denen helfen möge, die in diesen Tagen auf Schweres zurückschauen und die noch immer unter der Trauer leiden.

„Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines lieben Menschen ersetzen kann, und man soll es auch gar nicht versuchen + man muss es einfach aushalten und durchhalten + das klingt zunächst hart, aber es ist doch zugleich ein großer Trost, denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden. Es ist verkehrt + wenn man sagt, Gott füllt die Lücke aus, er füllt sie gar nicht aus, sondern er hält sie vielmehr gerade unausgefüllt und hilft uns dadurch, unsere echte Gemeinschaft miteinander – wenn auch unter Schmerzen – zu bewahren: Die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude +

Und mit dieser inneren und stillen Freude können wir wieder nach vorne schauen, da wo das Leben und Gott ist!

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel
 
 
16.3.17

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

am Montag der vergangenen Woche, nachdem die Möbel weitgehend aufgebaut und die meisten Kisten ausgepackt und eingeräumt waren, las ich in den Herrnhuter Losungen als Text zum Tag einen Vers aus dem Epheserbrief im 2. Kapitel (den ich hier um die nachfolgenden Verse ergänze):

„So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Durch ihn werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.“

Fremdling sein, neu sein in einer anderen Umgebung, das hat mich angesprochen. Auch wenn es „nur“ ein Umzug von Mittelfranken nach Unterfranken ist, ist es doch eine Umstellung und stellt vor neue Aufgaben. Ich treffe auf andere Menschen, die wiederum einen anderen Dialekt sprechen (wobei ich bislang fast alles verstanden habe – und ich hoffe, andere mich auch). Es ist eine andere Situation auch im Blick auf das Größenverhältnis der evangelischen zur katholischen Gemeinde – genau umgekehrt übrigens zur Situation im Dekanat Bad Windsheim, in dem ich 26 Jahre gelebt und gearbeitet habe. 

Das zweite, was mich bei diesen Worten des Apostels angesprochen hat, ist die Beschreibung, dass auf dem Bau etwas ineinandergefügt wird – die Steine. Seit zwei Wochen habe ich das Gemeindezentrum in Mainaschaff direkt vor Augen. Die Steine sind deutlich sichtbar. Sie haben ihre unterschiedliche Position und Funktion – und so ist es ein gutes Bild für die Gemeinde aus lebendigen Steinen, nämlich den Menschen, die zu ihnen gehören. Auch sie sind gleich wertvoll und wichtig, haben aber einen unterschiedlichen Platz und Funktion.

Und schließlich: Im Bau der Kirche sind Gott und wir Menschen Hausgenossen. Mir gefällt dieses Bild von den Hausgenossen. Es sagt deutlich: Gott ist eng bei uns Menschen und nicht weit weg. Er ist auch in dieser Gemeinde hier gegenwärtig. Das ist seine große Verheißung. Er will bei uns wohnen. Das ist sein Versprechen.

Wir sind nicht Gäste und Fremdlinge, sondern Gottes Hausgenossen. Wir brauchen uns das Hausrecht nicht erst durch Wohlgefälliges Verhalten zu verdienen oder zu erkaufen: wir sind berechtigt, hier zu sein. Mehr noch: wir sind hier zu Hause. Mit anderen zusammen in derselben Gemeinschaft mit Gott. Verbunden sind wir durch das Wasser der Taufe, durch sein Wort, das wir hören, und durch das Mahl unseres Herrn. Bei diesem Mahl zeigt sich am deutlichsten die Hausgenossenschaft. Er schenkt uns seine Gemeinschaft. Er nimmt uns an, Er will unter uns Gemeinschaft stiften.

Wir sind Hausgenossen und haben doch unsere Probleme damit. Das bisher gesagte klingt vielleicht nach einem Idealzustand, den wir so noch nicht haben. Wie gesagt: Das Haus Gottes ist in Bau. Es ist noch nicht fertig. Das spüren wir da, wo wir Trennendes entdecken. Doch die Zukunft der Gemeinde Jesu hat ein Bild. Dieses Bild nimmt klare Umrisse an. Wir werden eingefügt sein in einen heiligen Tempel, in dem Gott durch seinen Geist wohnt. Zukunft lässt sich nicht beschreiben, aber sie darf in Bildern der Hoffnung gemalt werden. Solche Träume sind nicht Schäume, sondern Ahnungen, wohin Gott seine Kirche führt. Auch Sie und mich.

Der Grundriss ist vorgegeben, er kann nicht verändert werden. Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist. Jesus Christus der Bauherr, das Fundament, der Eckstein, der Schlussstein, der alles zusammenhält. Das soll auch meinem Einführungsgottesdienst am kommenden Sonntag, den 19. März, zugrunde liegen. Herzliche Einladung.

Ihr Gerhard Scheller, Pfr.

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9.3.17

Liebe Leserin, lieber Leser!

Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der HERR. (3. Buch Mose 19,32)

So lautet der Spruch für den Monat März.
Er erinnert mich auch an das vierte Gebot. „Du sollst Vater und Mutter ehren…“
Im Moment beschäftigen wir uns im Konfirmandenunterricht mit den 10 Geboten. So, wie sie Martin Luther in seinem Kleinen Katechismus zusammengefasst hat. Nach wie vor gehört der Kleine Katechismus zum Lehrstoff des Unterrichts. Denn darin enthalten ist, so Martin Luther: „Was ein Christenmensch wissen muss!“
Die 10 Gebote, das ist immer wieder spannend zu erleben, wie junge Menschen darauf reagieren. Meine Erfahrungen in den letzten 27 Jahren als Pfarrer sind, dass da durchaus Entwicklungen zu sehen sind. Während in den Achtzigern oft eine Antistimmung zu erleben war, merke ich in den letzten Jahren, wie es sich verändert hat. „Wir brauchen Gesetze, sonst versinkt alles im Chaos!“ So etwas höre ich oft als erste Äußerung. Ja, Gesetze sind lebensnotwendig für das Zusammenleben in einer Gemeinschaft. Gesetze bestimmen die Grenzen meiner Freizügigkeit und zeigen dadurch erst an, welche Freiheiten ich habe und welche nicht. Meine eigene Freiheit reicht „nur“ bis zu meinem Nächsten und dessen Freiheit.
Nachdem Gott seinem Volk die Zehn Gebote gegeben hat, bedurfte es noch Ausführungsbestimmungen. Gebote sind Wegweiser; Gesetze setzen Grenzen und zeigen die Freiräume. Wer das Gebot vom „Ehren der Eltern“ ernst nehmen will, hört jetzt auch, was das bedeuten sollte im alltäglichen Leben. Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen, könnte das heißen. Aufstehen ist ehren, aber noch mehr sollst du in deine Eltern und überhaupt in den Alten Gottesfurcht erlernen und üben.

Heute ist es oft schwierig, alt zu sein. Nicht wegen der Krankheiten oder der Einschränkungen, sondern wegen der mangelnden Ehrfurcht. Früher gehörten die Älteren und Alten selbstverständlicher zum auch größeren Familienverbund; heute sind Familien viel kleiner und weiter verstreut. Ältere und Alte sind heute öfter allein, als ihnen lieb ist. Dadurch werden sie weniger gefragt und auch weniger beachtet. Das ist Teil ihrer Passion. Und ob Jüngere in Bussen und Bahnen noch vor einem grauen Haupt aufstehen, bezweifle ich oft. Sie nehmen ein solches Haupt ja kaum noch wahr durch ihre intensive Beschäftigung mit dem Smartphone. Die Welt ist gleichgültiger geworden gegenüber jedermann.

So muss es aber nicht sein. Es gibt ja immer noch unsere Aufmerksamkeit, auch wenn viele sie nicht mehr so sehr pflegen vor lauter Beschäftigung mit sich selbst. Da könnten wir ein kleines Zeichen setzen, vielleicht gerade in der Passionszeit. Es hilft im Leben wenig, vermute ich, immer nur auf sich selbst zu achten. Es hilft aber allen, aufeinander zu achten. Manchmal ist das etwas mühsam, immer aber ist es eine Hilfe. Und liegt es nur in dem Gedanken, dass ich selbst ja auch älter und alt werde und dann genauso auf Hilfe und Achtung angewiesen bin. Ich möchte nicht zulassen, dass Menschen unbeachtet bleiben. Ich möchte ihnen zur Hand gehen: im Verkehr, in der Stadt, an den Kassen, in Geschäften, in unseren Straßen, in unserer Nachbarschaft. „Kann ich Ihnen helfen? Kann ich etwas für Sie tun?“ – diese Fragen können am Anfang stehen und somit eine kleine Passion beenden. Mit Dankbarkeit und Achtung. Alles im Leben geschieht aus Mangel – außer das Danken.

Und wäre das nicht auch ein Beitrag zur Aktion „7 Woche ohne!“?

Ihr/Euer
Pfarrer Thomas Abel

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2.3.17

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

In manchen Sportarten sehen die Regeln eine sogenannte ›Auszeit‹ vor:
Wenn ein Trainer entdeckt, dass sich in das Spiel seiner Mannschaft Fehler und Nachlässigkeiten einschleichen; wenn er sieht, dass seine Spielerinnen oder Spieler die Übersicht verlieren, verkrampft und planlos agieren und keinen überzeugenden Spielzug mehr zuwege bringen; wenn er den Eindruck gewinnt, dass die innere Einstellung seines Teams nicht mehr stimmt; wenn er spürt, dass das Spiel kraftlos wird und einzelne Akteure völlig ausgepumpt sind – dann nimmt er für sich und seine Mannschaft die ›Auszeit‹ : Das Spiel wird unterbrochen, und er hat die Möglichkeit, auf bestimmte Fehler aufmerksam zu machen, die vereinbarte Taktik noch einmal ins Gedächtnis zu rufen, gegebenenfalls den Spielaufbau zu verändern und Aufgaben neu zu verteilen, sein Team wieder zu motivieren.
›Auszeit‹, heilsame Unterbrechung, Chance zu neuer Konzentration und Motivation – das will auch die Fastenzeit sein. Gerade auch nach den tollen Tagen, mit ihren eigenem Sinn für die Leichtigkeit des Lebens. „Alles hat seine Zeit!“

Zeit zum Atemholen für alle, die leer und ausgebrannt durchs Leben hetzen und wieder ›auftanken‹ müssen. Denkpause für alle, die ihre innere Einstellung überprüfen wollen, die neu nach ihrer Mitte suchen und auf ihrem Glaubensweg einen Schritt vorwärts kommen möchten.

Einschnitt für alle, die den roten Faden verloren haben, die in Alltagstrott, Routine und Verbissenheit hineingeraten sind, und deren Lebensfreude auf der Strecke geblieben ist.

Neuanfang für alle, die Fehler und Nachlässigkeiten korrigieren wollen, die sich von unnötig mitgeschlepptem Ballast befreien möchten.

Ich brauche diese ›Auszeit‹, damit es mir nicht geht wie dem erschöpften Holzfäller, der Zeit und Kraft verschwendete, weil er mit einer stumpfen Axt einschlug, und der – darauf aufmerksam gemacht – entgegnete, er habe keine Zeit, um die Schneide zu schärfen.

Ich brauche diese ›Auszeit‹, um meine oft überreizten und deshalb abgestumpften Sinne wieder zu schärfen und zu öffnen – für die leisen Töne und die unscheinbaren Dinge, die mich zum Staunen bringen und zu einem wacheren und einfacheren Leben hinführen. Ich brauche diese ›Auszeit‹, und ich bin froh, dass sie in den Regeln des Kirchenjahres ihren festen Platz hat.

So wünsche ich uns allen, eine gesegnete Fasten- und Passionszeit. Zeit die mir meine Augen, mein Herz und meine Seele öffnet für das, was wirklich wichtig ist für mich, mein Leben und meinen Glauben. Dass auch ich mich ein Stückweit auf den Weg des Leidens und der Hingabe, Jesu begeben kann, um die Tiefe meines Seins zu ergründen. Dass ich spüre, was es heißen kann, trotz allem zu vergeben, um neu zu leben.

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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23.2.17

Grüß Gott, ihr Schwestern und ihr Brüder,
verehrte Kirchgemeindeglieder!
Grüß Gott, den Männern und den Frauen,
auf die wir unsre Kirche bauen.
Nun ist es wieder mal soweit,
gekommen ist die Dankeszeit!
Sie fällt hinein in eine Zeit,
besser bekannt als Narrenzeit.

So begann meine Predigt zum Mitarbeiterdank in unserer Kirchengemeinde am 12. Februar in Stockstadt. Nun erreicht die Karnevalszeit ihren Höhepunkt und ihren Abschluss am Anfang der neuen Woche. Dies möchte ich zum Anlass nehmen ihnen und euch allen schöne und frohe Tage zu wünschen. Vielleicht sehen wir uns ja beim Lumpenball der katholischen Schwestergemeinde!
Mit ein paar Passagen aus meiner Predigt – Ihnen und Euch allen ein freudiges Helau aus dem evangelischen Pfarrhaus! Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

Ich sag „Grüß Gott“ mit großer Freude
Euch allen, die ihr hier seid heute,…

Auf Narren könn´n wir nicht verzichten.
Sie müssen klar die Zeiten sichten.
Sie müssen mit dem Finger zeigen
auf das, was viele wolln verschweigen,
und sagen, dass auf Sand gebaut
manch Haus, auf das ein jeder schaut.

Ja, Narren braucht´s zu jeder Stunde,
da Frust und Ärger macht die Runde,
da sich erklärn die Heilspropheten,
mit Silbertolle und Moneten,
nur sie allein die Lösung hätten…
Ja, Narren braucht´s heut überall,
nicht nur am heil´gen Karneval.

Populismus macht sich breit,
es scheint, der Mensch ist nicht gescheit.
Jeder schaut nur noch auf sich,
den Fremden, nein, den brauch ich nicht.
Ich bau´nen Zaun, ich sperr sie aus,
Spedi Conzales, die Mexikanische Maus.
Und dann ist da die AfD-
Ich sage nur, dass tut so weh.
Was die so sagen ist doch klar,
eindeutig Magen-Darm Katarrh.

Da war doch was, ihr ahnt es schon.
Da gab´s doch mal ne Reformation!
500 Jahre ist dies nun her
doch davon brauchen wir noch mehr.
Ihr habt gemerkt, da bin ich schon
beim dem Highlight Reformation!
2017 ist das Jahr,
wo wir den Luther feiern ist doch klar.
Land auf Land ab,
und ich sage euch das nicht zu knapp.
Sogar ein Feiertag gibt´s mehr,
das freut sogar die Katholiken sehr.
Luther ist in allen Munden,
sogar nen Keks hab ich gefunden.
Bonbons, Kulis und vieles mehr,
verziert mit dem alten Luther,
was will man mehr!
Ein Handel wird mit ihm gemacht,
der dem alten Tetzel alle Ehre macht….

Denn ich schau in unser Kirchenhaus,
da tritt so mancher einfach aus.
Die einen, weil ihn´n nicht geheuer,
dass sie soll´n zahlen Kirchensteuer;
die andern, weil sie sind verprellt
und sie bei Kirchens nichts mehr hält…

Und die uns kennen nur von Weitem,
Sie sind entschieden, streng und heftig,
vor allem mit sich selbst beschäftigt;
sie können ständig diskutieren,
wie sie sich selber strukturieren.
Egal – ob evangelisch, ob katholisch,
die Menschen finden uns halt komisch.

Doch damit sei jetzt endlich Schluss,
die Kirche in Einheit etwas sagen muss.
Antworten müssen wir jetzt geben,
damit die Menschen können leben.
Wie sagte doch der Heribert,
mein katholisch Bruder,
wenn wir nichts tun, läuft alles aus dem Ruder
Drum sag ich euch, es ist jetzt Zeit,
vergessen wir den dummen Streit.
Ob Evangelisch – ob Katholisch,
am Ende sind wir alle Evangolisch.

Helau!

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16.2.17
Liebe Leserin, lieber Leser!
In einer schönen Rückschau auf unseren ersten gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst am Valentinstag, habe ich folgende anregende Betrachtung gefunden:
Glauben ist wie Küssen!

Ja, Sie haben richtig gehört: Glauben ist wie Küssen. Ihren letzten Kuss schmecken Sie vielleicht noch auf den Lippen - aber erinnern Sie sich auch noch an Ihren aller-aller-ersten Kuss? Der liegt sicher schon einige Zeit zurück. Ist ja auch kein Wunder, denn Küssen und Glauben tun wir schon viel länger als wir denken. Was waren das damals für Kinderküsse voller Inbrunst und Spucke! Ein ganzes Kinderleben steckt in so einem Kuss - und manchmal auch noch ein Rest vom letzten Schokokuss. Und wissen Sie auch noch, was Sie damals geglaubt haben? Heute ist alles anders: sowohl beim Küssen als auch im Glauben. Wir sind erwachsen geworden - und unsere Küsse und unser Glauben auch. Und beide haben sich dabei verändert. Wir Erwachsenen können nicht mehr so küssen wie als Kind. Und wir Erwachsenen können auch nicht mehr so glauben wie als Kind. Vielleicht haben wir es auch einfach vergessen oder verlernt. Manchmal gab es da auch schlechte Erfahrungen, die überhaupt keinen Spaß gemacht haben und keine Lust auf mehr. Dann müssen wir es heute vielleicht noch einmal neu probieren - und herausfinden, wie sich das denn jetzt so anfühlt und ob es eigentlich immer noch so geht wie damals. Geht es natürlich nicht, weder beim Küssen noch beim Glauben. Und in Zukunft wird es übrigens noch mal ganz anders werden: Oder meinen Sie, dass Sie in sagen-wir-mal dreißig Jahren noch genauso küssen und das Gleiche glauben wie heute? Wer noch weiterdenken will, kann sich auch den letzten Kuss vorstellen: ein Abschiedskuss kurz vor dem Tod - und was man dabei dann wohl glaubt.

Und noch zwei Dinge sind beim Küssen genauso wie im Glauben: Beides kann man nur schlecht allein: Glauben kann ich zwar mal allein probieren, aber wirklich befriedigend ist das nicht. Und beides geht nicht auf Kommando - jedenfalls nicht ehrlich und nicht wirklich gut.

Glauben ist eben wie Küssen. Denken Sie daran beim nächsten Kuss!

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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9.2.17

Liebe Leserin, lieber Leser!

Am Dienstag, den 14.02. ist Valentinstag. In einem Lexikon las ich folgendes dazu: „Eine gewisse Bedeutung im Volksbrauchtum, der nicht im neuen Regionalkalender enthalten ist: Valentin, Bischof von Terni (…), starb um 268 den Märtyrertod. Er gilt als Helfer bei Epilepsie und Ohnmachtsanfällen. Sein Tag ist ebenso der Tag der Liebes- und Brautleute, die aus diesem Anlass Geschenke tauschen.“

Inzwischen ist dieser Tag natürlich fest in der Hand der Blumengeschäfte, der Parfümerien und anderer einträglicher Geschäfte.
In diesem Jahr wollen wir diesen Tag mit einem ökumenischen Gottesdienst in der St. Laurentius Kirche begehen. Ein Novum hier in Kleinostheim. Ein, zwei Paare werden gebeten, von sich und ihrer Beziehung zu erzählen. Im Alltag vergessen wir all zu oft dem Partner zu sagen, wie wichtig er uns ist. Liegt es am Alltagsstress, oder ganz einfach nur daran, dass der andere neben mir, ganz einfach da ist!? Das würde ich sogar noch nicht einmal als schlimm empfinden. Wenn die Liebe und Zuneigung sehr tief verankert ist, mag das gut gehen… Aber oft genug ist das nicht der Fall, oder in einer Beziehung schleicht sich Gleichgültigkeit ein. Wenn der andere eben keine „Ohnmachtsanfälle“ mehr auslöst, dann muss sich zeigen, wie fest und stark die Liebe ist. Liebe ein großes Wort. Auch der Apostel Paulus hat sich damit auseinander gesetzt. Im Hohenlied der Liebe im ersten Korintherbrief heißt es unter anderem:
„Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört niemals auf.“ Ein Wort, das gerne als Trauspruch genommen wird. Ein hoher Maßstab, für die Beziehung zweier Menschen. Im Alltag stoßen wir oft genug an die Grenzen. Da erheben wir uns manchmal sehr schnell über den anderen, oder sagen Worte die verletzen. Wichtig ist da, dass wir uns dann nicht zurückziehen, sondern den anderen suchen, mit Worten und Gesten. Möge der Valentinstag nicht nur ein Geschenktag im materiellen sein, sondern ein Tag, wo wir die Liebe neu entdecken. Den Partner, den wir lieben, als Geschenk und reichen Schatz erkennen.

„Ich wünsche dir einen Menschen an deiner Seite, der wissen will, wer du wirklich bist.
Der annehmen kann wer du warst.
Der verzeiht, wenn du Fehler machst.
Der zu schätzen weiß, was du gibst, ohne zu fordern.
Einen Menschen, der an dich glaubt, selbst dann, wenn du an dir zweifelst.
Der dich umarmt, der dir seine Nähe gibt, selbst dann, wenn du dich mal von deiner schlechten Seite zeigst.
Jemand, der dein Herz mit Liebe erfüllt und eine Seele berührt.“

Bis zum Valentinsgottesdienst!

Ihr/euer Pfarrer Thomas Abel

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2.2.2017

Liebe Leserin, lieber Leser!

In den letzten Tagen blätterte ich oft in meinem Kalender von 2016. Der Grund dafür ist, dass ich an diesem Wochenende Geburtstag habe und mein letzter Geburtstag ganz unter dem Eindruck stand, was werden wird. Ich feierte meinen Geburtstag ganz im Stillen und war gespannt auf den nächsten Tag. Denn einen Tag nach meinem Geburtstag fuhren wir zum ersten Mal nach Kleinostheim, um uns ein Bild zu machen, von dem, was werden könnte. Bei strömenden Regen kamen wir hier an und wurden freundlich von Frau Wiegand empfangen. Sie zeigte uns auch gleich die Pfarrwohnung. Ich erinnere mich noch gut an die ersten Reaktion meiner Frau: "Oh, die Küche ist aber klein!" Frau Wiegand dachte im Stillen: "Das war es dann wohl...,". Dann zeigte uns Herr Rupp die Kirche in Kleinostheim und danach wir fuhren wir nach Stockstadt. Der Regen hatte nicht aufgehört. Grau in grau war es. Aber dann die helle, schöne neue Friedenskirche, etwas völlig anderes, was ich bisher gewohnt war... In mir arbeitete es und ich fragte mich immer wieder: " Ist es das, was Gott für mich bereithält? Soll ich, sollen wir diesen Schritt wagen?" Noch auf der Rückfahrt, ich glaube es war kurz vor dem Ortsausgangsschild von Aschaffenburg, trafen wir dann gemeinsam die Entscheidung, hier nach Kleinostheim/Stockstadt und Mainaschaff zu gehen. Dann hieß es noch abzuwarten, was in München und in dem KV entschieden würde. In dieser Zeit war es mir ein Halt zu wissen, dass ich in all meinen Entscheidungen und Fragen nicht allein gelassen bin. Das da jemand ist, dem ich mich völlig anvertrauen kann, weil ich weiß, ER steht zu mir und begleitet mich. "All eure Sorge werft auf ihn", so heißt es im Petrusbrief. Oder wie das Wort aus den Sprüchen Salomo, das mich im Januar auf unserem Kalender begleitet hat. "Wer dem Herrn vertraut, der findet Glück." (Sprüche 16,20). Sich Gott anvertrauen, mit all seinen Fasern des Herzens, sich Ihm auch ein Stück weit zu überlassen, ist manchmal gar nicht so einfach. Und doch lehrt uns das Leben, oft genug aber erst im Rückblick, wie gut es ist, solch ein Vertrauen zu haben. Um dieses Vertrauen muss ich aber auch manchmal kämpfen. In den Schoß fällt es uns nicht. Da ist zu vieles, was mein Vertrauen in Frage stellt oder gar erschüttern kann. Leid, Krankheit, Sorgen und Nöte, im Großen wie im Kleinen, all die Dinge, die mir oft genug den Blick auf Gott verstellen. Da können dann die guten Erinnerungen helfen, einen klaren Blick zu behalten oder auch wieder zu bekommen. So wünsche ich jedem, dass er solche guten Erinnerungen hat, an die er sich klammern kann. Erfahrungen, die uns ein Leben lang begleitet haben und die uns Kraft geben in den dunklen Tälern des Lebens... "und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich!" 

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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26.1.17
Liebe Leserin, lieber Leser!

Am letzten Sonntag nach dem Gottesdienst in Mainaschaff sprach mich ein Besucher an und bemerkte, wie schön es sei, dass es noch so schön weihnachtlich geschmückt sei. Mir selbst geht es auch so. Ich genieße es, dass in unseren Gemeinden bis Maria Lichtmess die Weihnachtsbäume in den Kirchen stehen. In meiner alten Gemeinde habe ich lange und intensiv darum gerungen, dass die Weihnachtsbäume wenigstens bis Ende Januar stehen blieben. Ja, ich genieße es, die Weihnachtssymbole nach der ganzen Hektik der Vorbereitung auf Weihnachten, nun in einem anderen Licht wahrzunehmen und nachklingen zu lassen.
Am letzten Mittwoch war der Tag der Bekehrung des Paulus, auch Mittwinter genannt. Die Geschichte, die uns im 9. Kapitel der Apostelgeschichte erzählt wird, hat im Leben des Paulus bleibende Spuren hinterlassen. Man kann sie als vielleicht wichtigste Wegscheide im Leben des Apostels lesen. Sie hat auch alle Merkmale einer Ostergeschichte. Und sie fügt sich den bekannten Weihnachtsgeschichten ein: Ein blendend himmlisches Licht veranlasst die Betroffenen, ihr Ziel neu zu bestimmen, ihren Weg zu ändern und künftig mit einer wunderbaren Christus-Begegnung zu leben. Ihr Leben ist von weihnachtlichen Spuren geprägt. Ein Kirchenmann erzählte, dass er von den handgeschnitzten Figuren, die in der Weihnachtszeit seine Wohnung schmücken, eine zurückbehält, während die anderen wieder – bis zum nächsten Christfest – in Kartons verpackt werden. Diese eine Figur steht dann auf seinem Schreibtisch und begleitet ihn das ganze Jahr hindurch. Es bleiben weihnachtliche Spuren in seinem Denken, Glauben und Tun.
Ich selbst mache das auch schon lange, nur ist es bei mir immer die eine Darstellung des heiligen Paares mit dem Christuskind. Joseph wie er Maria und das Kind mit seinem Mantel umhüllt.
Wie wäre es, Sie würden sich auch an diesem Tag (vielleicht nächstes Jahr) eine Figur auswählen, die bei ihnen bleibt, während die anderen im Karton auf das nächste Christfest warten. Wer ist Ihnen diesmal ganz besonders nahe gewesen? Maria, die die Engelsbotschaft in ihrem Herzen bewegt? Joseph, der Gottes Zusage vertraut? Die Hirten, die sich bewegen lassen und nicht enttäuscht werden? Die Weisen, die ihren Weg der Vernunft verlassen und auf dem Umweg der Verheißung fündig werden? Oder gar ein Schaf, das davon lebt, dass sich das Krippenkind als das Lamm Gottes und der gute Hirte erweisen wird?

Weihnachten nachwirken lassen! Darum wundern Sie sich nicht, wenn sie am Pfarrhaus vorbei gehen und in den Fenstern meines Arbeitszimmers noch weihnachtlichen Schmuck sehen!

Ihr/euer Pfarrer Thomas Abel

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24.1.2017

Liebe Leserin, lieber Leser!

Drei Wochen ist das neue Jahr nun schon alt. Und: „Wie sieht es aus mit all den guten Vorsätzen für das neue Jahr? Halten wir uns noch daran, oder hat uns der Alltag schon wieder fest im Griff und wir sind schon wieder im alten Trott?“
Kurz vor Weihnachten ergab eine Umfrage bei Antenne Bayern, dass gut zwei Drittel aller Bayern sich folgendes vornahmen: mehr Zeit für die Familie, die Kinder und Freunde; weniger Alkohol, gesünder ernähren und weniger Zeit mit dem Smartphone oder Tablet. Alles gute Vorsätze und sehr begrüßenswert. Doch wie sieht es damit nach gut drei Wochen aus? Um diese guten Vorsätze wirklich umzusetzen, bedarf es durch aus Mut und Durchhaltevermögen; einen anderen Sinn bzw. andere Prioritäten für den Alltag. Und dafür brauchen wir wohl auch einen anderen Blickwinkel, ein neues Gespür für das, was wirklich wichtig ist im Leben. Es ist gute evangelische Tradition, dass jedes neue Jahr unter einer Jahreslosung steht. Manchmal passen sie auf Anhieb! Aber manchmal fragt man sich: „Was kann ich mit solch einem Satz aus der Bibel anfangen?“ 2016 war das so. Da lautete die Jahreslosung: „Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet!“  So mancher Pfarrer oder Theologe war nicht so ganz glücklich damit! Aber recht bald gewann diese Zusage bei mir im persönlichen seine Berechtigung. Nicht wissen, wie es beruflich weitergehen sollte, der Tod meiner Schwester… Aber dann auch im Großen und Ganzen der Welt! So viel Leid und Elend; Terror und Krieg, der auch vor unserem Land nicht Halt machte… Ja, 2016, da war oft Trost von Nöten, um nicht zu verzweifeln, an den Menschen und dieser Welt.

Die diesjährige Jahreslosung weist darauf hin, was wir nötig haben, gerade auch 2017, auch mit dem was wir aus 2016 mitschleppen bzw. mit nehmen:
"Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch." Im Angesicht unserer Welt, im Großen wie im Kleinen, merken wir sehr wohl, wie wichtig es ist, andere Wege einzuschlagen und auch zu gehen. Doch wirkliche Veränderungen geschehen nicht einfach so. Nur darüber zu reden und zu träumen ist zu wenig. Veränderungen, die wir nötig haben, in unseren Familien, in unseren Gemeinden, in unseren Orten, in unserem Land und weltweit, müssen in uns selbst beginnen. In unseren Herzen, in unserem Geist. Doch von alleine kann dies nicht geschehen. Dazu brauchen wir auch Hilfe. Hilfe von anderen, aber vor allem auch von Gott. Als Christen wissen wir, dass solche Veränderungen nicht von uns allein bewältigt werden können. Dazu brauchen wir neben all den uns geschenkten Möglichkeiten auch Mut, Kraft und Durchhaltevermögen, Einsicht und Verständnis. Auch 2017 steht Welt vor großen Herausforderungen. Vieles was da in der großen Politik auf uns zukommt, können wir oft nicht beeinflussen; wir können nur hoffen, dass Einsicht und Vernunft bei den Großen Einzug hält… Doch manchmal erscheint diese Hoffnung sehr gering…
Anders sieht es dann schon im kleineren Umfeld aus. Denn da sind wir oft selbst ganz persönlich gefragt und mitten drin. Was ist uns wichtig, was muss sich ändern, wo muss neues gewagt und in Angriff genommen werden? Das gilt für die Kommunalpolitik, wie für die Bundespolitik. Wahlen stehen an! Und es muss die Frage erlaubt sein, von wessen geist oder Ungeist ich mich beeinflussen lasse.
Herz und Geist/Verstand sind gefragt und das in einer Symbiose. Herz und Verstand müssen zusammen gebraucht werden, so wie es Martin Luther in der Grundfrage des Glaubens getan hat.
2017 steht in der Ev. Kirche ganz im Zeichen des Reformationsjubiläums. Aber auch Deutschlandweit, denn der 31.10. ist ein gesetzlicher Feiertag für ganz Deutschland! Reformation/Erneuerung… das war das, was Martin Luther im Angesicht der damaligen mittelalterlichen Welt mit seinen Verzerrungen auf den Plan rief. Er wollte sich nicht abfinden mit den gegeben Strukturen, die die Menschen allzu oft unmündig machten. Mit Geist/Verstand und dem Herzen suchte er nach Veränderungen, nach den richtigen Wegen. Und das immer im Ringen um den rechten Glauben, im Ringen mit Gott. Das, was vor 500 Jahren geschah und bis heute gerade auch in unserem Land seine Auswirkungen hat und unser Land prägt, kann im rechten Nach- und Bedenken uns helfen, unser Land, unsere Orte positiv zu prägen, auch im Miteinander der Konfessionen, um gemeinsam Antworten geben zu können. In Kleinostheim wollen wir z.B. zusammen mit unserer Schwestergemeinde St. Laurentius im Jubiläums- und Gedenkjahr der Reformation gemeinsam nach neuen Wegen des Miteinanders suchen und danach Ausschau halten, was uns näher bringt bzw. neu miteinander verbinden kann. Es sollen Wege sein, die aber auch über das Jubiläumsjahr hinausreichen. In diesem Miteinander braucht es ein neues Herz und ein neuen Geist. Ein Herz, welches den anderen annimmt, mit seinen Glaubenserfahrungen und Prägungen. Einen Verstand, der bereit ist auch über den eigenen Horizont zu sehen und zu handeln.
Und so freue ich mich auf eine hoffentlich rege Beteiligung aus beiden Gemeinden.
"Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch." Mit dieser Zusage und Hoffnung lässt es sich gut leben.

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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12.1.2017

„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“

Mit der Jahreslosung für 2017 grüße ich Sie alle ganz herzlich. Damit verbinde ich alle guten Wünsche für dieses neue Jahr 2017.
Vierzehntage ist das neue Jahr nun schon alt. Aber immer noch wünschen wir einander alle Gute für das neue Jahr. Und das ist auch gut so. Denn diese Wünsche und Segensworte tragen uns weiter in den Alltag, in die Tage, Wochen und Monate, die vor uns liegen. Was werden wird wissen wir nicht! Vieles bleibt verborgen, auch wenn wir manchmal eine Ahnung haben oder verspüren. Die Frage ist, wie wir in das neue Jahr hineingehen, mit welchen Erwartungen, mit welcher Haltung. Und hier spielen Herz und Verstand, wie in der Jahreslosung angesprochen eine gewichtige Rolle. Bei Catharina Elisabeth Goethe, sie lebte von 1731 bis 1808, fand ich folgendes Rezept für ein ganzes Jahr. Vielleicht hilft es dem einen oder der anderen auf den Wegen durch das Jahr 2017.

Herzlichst ihr und euer Pfarrer Thomas Abel

Rezept – Vorschlag für ein ganzes Jahr

Man nehme 12 Monate, putze sie ganz sauber von Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und Angst und zerlege jeden Monat in 30 oder 31 Teile, so dass der Vorrat genau für ein Jahr reicht.
Es wird jeder Tag einzeln angerichtet aus einem Teil Arbeit und zwei Teilen Frohsinn und Humor.
Man füge drei gehäufte Esslöffel Optimismus hinzu, einen Teelöffel Toleranz, ein Körnchen Ironie und eine Pries Takt.
Dann wird die Masse sehr reichlich mit Liebe übergossen. Das fertige Gericht schmücke man mit Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten und serviere es täglich mit Heiterkeit und mit einer guten erquickenden Tasse Tee…
Gott, der mir von Jugend an so viel Gnade erwiesen hat, der wird schon ein Plätzchen aussuchen, wo ich meine alten Tage ruhig und zufrieden beschließen kann.
Ich freue mich des Lebens, ich suche keine Dornen, hasche die kleinen Freuden.
Sind die Türen niedrig, so bücke ich mich; kann ich den Stein aus dem Weg tun, so tu ich´s;
ist er zu schwer, so gehe ich um ihn herum, und so finde ich alle Tage etwas, was mich freut.
Und der Schlussstein, der Glaube an Gott, der macht mein Herz froh und mein Angesicht fröhlich.

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