Angedacht 2018

19.4.18

Magnolien im Park SchöntalLiebe Leserin, lieber Leser,

sie reckt ihre Blüten dem Himmel entgegen – die Magnolie. Wenn sie blüht, ist der Frühling endlich da: Ein blühender Magnolienbaum - eine echte Augenweide! Dieser Blütentraum lockt mich im Frühling seit zwei Jahren in den Park Schöntal und ich bewundere die großen Blüten, die sich gen Himmel ausrichten.

Sich neu ausrichten, neues in Angriff nehmen in Haus und Garten: das passt zum Frühjahr! Der berüchtigte Frühjahresputz, kann dann auch bedeuten, zu schauen und zu spüren, was Leib und Seele gut tut. Das Fahrrad, das wieder in Schuss gebracht wird, die Gartenarbeit oder auch ein Projekt, welches endlich mal angegangen werden soll.

Sich neu ausrichten – dem Himmel entgegen. Ein schönes Bild! Gerade nach Ostern. Ein Ausrichten im Glauben! Ein Aufstehen in die Hoffnung! Mir hilft dabei das gemeinsame feiern, beten und singen im Gottesdienst, aber auch mit der gesamten Natur und dem Gezwitscher der Vögel.

Sich neu ausrichten – dem Himmel entgegen: Mit Gottes Segen den Weg hinaus ins Leben wagen und die eigene Person riskieren. Das Leben in seinen Formen und Farbe wahrnehmen. Das erlebe ich an den Konfirmationen. Jugendliche die ihr „Ja“ zu ihrer Taufe geben und gemeinsam für ein Jahr nach einem Ausrichten im Glauben gesucht haben. Für alle weiteren mutigen Schritte im Glauben wünsche ich Gottes Segen.

Sich neu ausrichten – dem Himmel entgegen: Eben auch mit dem Wissen, dass die Magnolie verblüht. Kein so schöner Anblick, aber er gehört dazu und nur dann kann der Baum sein grünes Sommerkleid anlegen. Ich scheitere und mache Fehler. Kein schönes Gefühl, aber es gehört dazu und auch daraus kann Neues entstehen. Gott traut uns Leben in seiner Fülle und Freiheit zu. Daher schreibt auch der Apostel Paulus und ermutig: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit.“ In dieser Freiheit und in der Gewissheit der Zusage und der Gegenwart Gottes: Sich neu ausrichten – dem Himmel entgegen. Immer wieder „dran“!

Ihre Pfarrerin Katharina Wagner

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19.4.18

Liebe Leserin, liebe Leser!

Nach Ostern finden in vielen ev. Gemeinden die Konfirmationen statt. Junge Menschen bestätigen ihre Taufe und ihren Glauben. Und dies tun sie in einem Alter (13/14), das gezeichnet ist von inneren und äußeren Umbrüchen. Manche dieser jungen Mädchen und Buben kommen, weil es halt dazu gehört; andere weil es die Oma so möchte und wieder andere, weil es ihnen ein inneres Bedürfnis ist, mehr über den Glauben, die Kirche und Gott zu erfahren. In meinem schon recht langen Berufsleben habe ich viele Konfirmandengruppen erlebt, in denen sich diese Vielfalt immer wiedergespiegelt hat. Nach der Konfirmation trennen sich oft die Wege. Nach dem „anstrengenden“ Konfirmandenunterricht, ziehen die Jugendlichen los, entdecken selbstständig ihr Glaubensleben und das, was noch dazu gehört. Manche besuchen „KABUM“ und lassen sich anstecken, von den Möglichkeiten; andere entscheiden sich für einen „Teamerkurs“, um dabei zu bleiben und ihre Erfahrungen an andere Jugendlichen weiter zu geben… Und wieder andere, sieht man lange gar nicht mehr…
Das alles erinnert mich auch in diesem Zusammenhang an den Sonntag „Miserikordias Domini“(15. April). Hier steht u.a. eine markante Geschichte mit Jesus und Petrus im Fokus. Petrus, der immer gerne einmal die „große Lippe“ riskierte; dann aber auch wieder erfahren musste, wie zerbrechlich der menschliche Glaube sein kann. Gründonnerstag folgt er alleine Jesus, um zu sehen, was mit seinem Herr geschieht; doch dann verlässt ihn der Mut, als er direkt nach seinem Verhältnis zu Jesus angesprochen wird. Nicht einmal, nein dreimal sagt er, dass er diesen Jesus nicht kennen würde! Und Jesus? Er kannte Petrus nur zu gut und hatte es ihm auch schon im Vorfeld angedeutet, dass es so kommen würde. Und nach Ostern, fragt Jesus nun Petrus dreimal, ob er, Petrus, ihn lieb habe? Danach erteilt Jesus ihm den großen Auftrag: „Weide meine Schafe!“
Jesus gibt niemanden auf, er ruft alle in seinen Dienst; jeden mit seinen Gaben und Fähigkeiten. Wir alle sind eingeladen an seiner Gemeinde mit zu bauen, für andere da zu sein und ihnen in Freud und Leid zur Seite zu stehen. Für diese große Aufgabe braucht es Menschen, Menschen auch vor Ort, die bereit, sind ein Stück Mitverantwortung zu übernehmen. Sei es im Kindergottesdienstteam, in der Seniorenarbeit, mit Jugendlichen, mit Eltern und Kindern oder gar im Kirchenvorstand… In diesem Jahr finden in unsrer Landeskirche die Kirchenvorstandswahlen statt. Auch hier in St. Markus brauchen wir Menschen, die bereit sind, Kirche mitzugestalten und in die Zukunft zu führen. Vielleicht kennen sie jemanden, der dafür geeignet wäre – vielleicht auch sie selbst!? Bitte sprechen sie uns an! Erkundigen sie sich, was die Arbeit im Kirchenvorstand bedeutet und umfasst.
Eine lebendige Gemeinde braucht Menschen, die bereit sind mit anzupacken! Und das erinnert mich an ein altes Gebet:

Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit zu tun.
Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen.
Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen.
Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen auf seine Seite zu bringen. Amen.

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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5.4.18

Liebe Leserin, lieber Leser,

Zweifel und Glaube befinden sich bei mir manchmal in einem wirklichen Ringkampf der Gedanken. Die beiden sind wie Schwestern und meistens geht es ganz gut mit ihnen. Aber manchmal, wie das mit Schwestern so ist, können sie sich richtig in die Haare bekommen. Dann stehen Glauben und Zweifel sich auf derselben Matte im Nahkampf gegenüber und es wird geworfen und geschleudert und ich bange, wer die Oberhand behält. Die Glocke läutet dabei nacheinander eine Denkrunde nach der anderen ein.

Und dann kann ich den Jünger Thomas richtig gut verstehen. Thomas wollten den auferstandenen Jesus mit eigenen Augen sehen. Der Begeisterung und der frohen Botschaft der anderen Jünger konnte er nicht glauben. Er zweifelte. Er wollte selbst den Auferstandenen sehen und sogar seine Hände in die Wundmahle legen. Daher sagte er: „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich's nicht glauben.“ (Johannes 20,25)

Und dann trifft Thomas selbst Jesus und eigentlich erwarte ich, dass Jesus ihm nun richtig den Kopf wäscht und Thomas klarmacht, wie enttäuscht er von seinem fehlenden Vertrauen ist. Doch Jesus reagiert anders und lässt Thomas ganz plastisch seine Wundmale spüren, damit dieser glauben kann. Er nimmt den zweifelnden Thomas an. Jesus begegnet meinen Ringkampf zwischen Glauben und Zweifeln in Liebe und wird nicht müde, mir Mut zu machen, dass ich ihm vertrauen kann. Daher ermutigt Jesus: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“

Angst macht mir der Ringkampf zwischen Glauben und Zweifel nicht. Denn Glaube und Zweifel gehören zusammen. In meinem gedanklichen Ringkampf ruft der Zweifel: „Bleib!“. „Geh!“ ruft der Glaube. „Ich beschütze dich.“ verspricht der Zweifel. „Ich lasse dich.“ verspricht der Glaube. „Bei mir bist du in Sicherheit.“ verspricht der Zweifel. „Bei mir bist du in Erwartung.“ verspricht der Glaube. „Ich bin!“ sagt der Zweifel. „Ich werde“, sagt der Glaube.

Ihre Pfarrerin Katharina Wagner

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29.3.2018

Liebe Leserin, lieber Leser!

„Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag.“
Das sind die Worte des Engels am Ostermorgen und sie lenken den Blick der Frauen auf das leere Grab, auf die Leinentücher, in die Jesus gewickelt war. Doch zunächst ergreift die Frauen ein großer Schrecken. Auch sie konnten es erst auch nicht glauben; zu unwirklich erschien es ihnen… Doch dann erscheint ihnen Jesus selbst! Welch große Gnade! Und wir?
Wir selbst können natürlich nicht mehr schauen, wir sind auf das angewiesen, was uns die Augenzeugen in den Evangelien berichten. Fällt es deshalb vielleicht vielen heute schwer, an die Auferstehung zu glauben? Wie gesagt, ich glaube, den Augenzeugen damals fiel es nicht leichter, die Evangelien berichten von ihrem Erschrecken und ihrer Fassungslosigkeit. Sie standen vor der gleichen Frage wie wir heute: Ist Jesus auferstanden – oder ist er es nicht? Auch wer diese Frage verneint, ist herzlich eingeladen, weiterzulesen. Für den, der diese Frage bejaht, haben die Fragen damit aber oft noch kein Ende. Andere Fragen drängen sich auf. Manche davon sind unsinnig: Wie war das denn jetzt genau – mit der Auferstehung, physikalisch, biologisch? Eine Frage, die wir weder beantworten können oder noch müssen. Und es gibt wichtigere Fragen, für mein Leben im Hier und Jetzt: Was bedeutet die Auferstehung Jesu für mein Leben? Vielleicht die entscheidende Frage. Ist sie nur ein historisches Ereignis vor fast 2.000 Jahren, dessen wir einmal im Jahr freudig gedenken? Oder ein Ereignis, das das Leben begleitet und prägt? Der Philosoph Ludwig Wittgenstein hat gesagt: „An einen Gott glauben, heißt: die Frage nach dem Sinn des Lebens verstehen. An einen Gott glauben, heißt: sehen, dass es mit den Tatsachen der Welt noch nicht getan ist. An einen Gott glauben, heißt: sehen, dass das Leben einen Sinn hat.“ Dass das Leben einen Sinn hat – diese Worte weisen für mich in die entscheidende Richtung. Nicht die vielen unsinnigen oder wichtigen Fragen rund um die Auferstehung sind das Entscheidende, sondern: Dass Ostern die Antwort auf alle Fragen ist. Oder wie es Dietrich Bonhoeffer formulierte: „Christus ist nicht in die Welt gekommen, dass wir ihn begriffen, sondern dass wir uns an ihn klammern, dass wir uns einfach von ihm hinreißen lassen in das ungeheure Geschehen der Auferstehung.“
Für mich heißt Ostern aber auch: den Blick zu heben, von dieser Welt, hin zum Horizont und dann zu entdecken, dass es viel mehr gibt als wir ahnen. Und so wie Jesus den beiden Emmausjüngern half den Blick zu heben, so möge auch der Auferstandene unseren Blick heben und weiten!

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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22.03.2018

Lieber Leser, liebe Leserin

es wird Zeit, dass der Frühling kommt. Nach dem erneuten Kälteeinbruch sehne ich mich nach Licht, Wärme und dem fröhlichen Gezwitscher der Vögel. Aber gerade scheint der Frühling und wärmere Temperaturen noch auf sich warten zu lassen.

Die Karwoche liegt vor uns. Die letzte Woche der Fastenzeit in der wir dem Leiden Jesu nachgehen. In den Kreuzwegstationen bewusst uns das Leiden Jesu vor Augen führen und damit auch das Leiden so Vieler. Der Grausamkeit und der Kälte des Leidens möchte ich manchmal am liebsten aus dem Weg gehen. So wie ich mich nach dem Frühling sehne, sehne ich mich nach dem Licht von Ostern. Aber vor Ostern liegen die Kälte und Schwere der Karwoche: Jesus ist der Kälte und Gewalt der Menschen ausgeliefert. Am Kreuz hängt er nackt und verlassen, von der Welt und von Gott. Diese Kälte ist unaushaltsam und dennoch Jesus hält sie aus. Er befielt voll Vertrauen sein Leben und seine Seele in die Hände Gottes.

Unbegreiflich, unaushaltsam und dabei tröstlich. Denn da hält jemand mit mir die Kälte des Lebens aus! Jesus weicht dem Leiden – unserem Leiden – nicht aus, sondern ist an unserer Seite. Darin liegt für mich mitten in der Karwoche schon das Licht und die Wärme von Ostern. Und die Gewissheit: der Frühling und die Osterfreude kommen.

Ihre Pfarrerin Katharina Wagner

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15.3.2018

Liebe Leserin, lieber Leser!

Der kommende Sonntag trägt den Namen „Judica“. Der Psalm (43) für diesen Sonntag beginnt mit den Worten: „Gott schaffe mir Recht… und errette mich!“
Doch wie oft erleben wir es ganz anders in unserem Leben! Recht und Rettung – klingt wie ein Traum…

„Warum gerade ich? Warum musste es mich so treffen, Herr Pfarrer?“, so fragte mich einmal eine Mutter, die plötzlich ihren Mann verlor und sie nun plötzlich und völlig unerwartet mit ihrem beiden Kindern vor einem „Nichts“ stand… Ja, da können auch einem Pfarrer die Worte fehlen. Sprachlos saßen wir beide am Küchentisch und nur das leise Ticken der Küchenuhr war zu hören. Ich spürte ihre ganze Verzweiflung – ihre Ohnmacht war auch ein Stück meiner Ohnmacht. Das Licht der Kerze mit dem Bild des Mannes davor, tauchte die ganze Unerträglichkeit in ein warmes und doch bizarres Licht…
Zusammen versuchten wir für diesen Augenblick auszuhalten, was allein kaum zu ertragen ist… „Warum?“

Jesus ist mit seinen Jüngern unterwegs. Da sehen sie am Wegesrand einen Menschen hocken, der blind geboren war. Die Jünger fragen Jesus, warum der Mann blind geboren wurde: „Hat er gesündigt oder seine Eltern?“
„Wer ist schuld?“ So fragen auch die Jünger. Es muss eine Ursache für das fehlende Augenlicht geben. Die Suche nach dem Schuldigen ist menschlich. Diese Frage stellt sich schnell, wenn Kummer und Not über uns kommen. Oft suchen wir die Antwort dann bei uns selber. Wir rätseln, was wir Falsches getan oder unterlassen haben. Rauchen, Alkohol, Sport und Ernährung – haben wir gelebt, wie es gesund ist? Wenn dem nicht so ist, dann ziehen wir uns selber zur Verantwortung. „Ich hätte es wissen können und müssen“, halten wir uns vor. „Nun erhalte ich die Quittung für mein Fehlverhalten.“ Nur, warum haben dann andere Menschen mehr Glück und bleiben gesund, obwohl sie noch ungesünder leben? Der Zorn richtet sich nicht nur gegen uns selber. Schnell machen wir Ärzte oder das Pflegepersonal für unseren Zustand verantwortlich. Manch einer geht noch einen Schritt weiter und hält die Krankheit für eine Strafe Gottes.
„Wer ist schuld?“ Die Jünger suchen die Verantwortung nicht bei dem Blinden selber, sondern richten ihre Frage an das Verhalten seiner Eltern. Was haben die getan oder unterlassen, dass ihr Sohn sein Leben in andauernder Dunkelheit verbringen muss? Beide Versuche, einen Adressaten für die ärgerlichen Gefühle zu finden, lassen mich frösteln, sie kommen mir unbarmherzig vor. Jesus antwortet seinen Jüngern: „Weder er selbst hat Schuld auf sich geladen noch seine Eltern. Er ist nur deshalb blind, damit das Handeln Gottes an ihm sichtbar wird.“ (Johannes 9,3)

Jesus sagt: Wie es um uns steht, ob es gut oder schlecht geht, ob wir voller Hoffnung sind oder verzweifelt, Gott handelt an uns. Ich verstehe das so, dass Gott immer, bis in alle Ewigkeit, mit uns Menschen in Beziehung bleibt, uns anerkennt mit allem, was unser Leben ausmacht. Wir fallen nicht aus seiner Liebe. Die Frage nach dem „Warum“ ist damit natürlich noch nicht beantwortet, das stimmt. So schwer es fällt, es gibt auch keine schlüssige Antwort darauf. Aber niemand kann verbieten, sie so leidenschaftlich zu stellen wie die Mutter. Einer hält immer die Wacht, Gott bleibt bei uns. Das gilt auch dann, wenn wir uns selber, andere Menschen oder Gott die Schuld geben wollen für unseren Kummer.
Für mich selbst ist wichtig geworden, bei diesem „warum?“, nicht stehen zu bleiben. Sondern weiter zu fragen; auch mit mir, mit meinem Glauben und meinem Gott zu ringen… und ich spüre, wie Gott mich nicht verlässt.
Gott schütze und bewahre sie und euch!

Ihr/euer Pfarrer Thomas Abel

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8.3.18

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

können Sie sich auf Knopfdruck freuen? Mir fällt das ganz schön schwer. Aber manchmal wünsche ich mir so einen kleinen Knopf, auf den ich drücken kann, wenn es gerade keinen Grund zur Freude gibt. „Freue dich, der Umzug ist fast geschafft!“ so habe ich es zwei Tage nach unserem Umzug nach Mainaschaff von einer Freundin gehört. Aber auf Kommando freuen, das kann ich nicht. Ich war gereizt und habe nur all die ungeöffneten Kisten vor mir gesehen. Mit dem Fahrrad auf dem Weg zu einem Termin ärgerte ich mich. Aus dem Augenwinkel sah ich ein Auto näherkommen und vor lauter Schreck lag ich im nächsten Moment neben meinem Fahrrad. Nach einer Schreckenssekunde stellte ich fest das nichts weiter als ein Riss in meiner Strumpfhose passiert war. Jetzt freute ich mich – so richtig! Ärger und Freude – Schatten und Licht – liegen manchmal doch nahe beieinander!

Am kommenden Sonntag „Lätare“ erklingt der Ruf: „Freuet euch!“. Eine klare Aufforderung mitten in die Passionszeit hinein. In einer Zeit in der wir dem Leiden Christi gedenken, werden wir aufgefordert: „Freuet euch – allem Leiden zum Trotz!“ Manchmal bedarf es eben dieser Aufforderung um das kommende Licht zu sehen.

Ihre Pfarrerin Katharina Wagner

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1.3.18

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Meine Augen sehen stets auf den Herrn…“, so heißt der kommende Sonntag „Okuli“ im übertragenen Sinn.
Wir kennen etliche Sprichwörter, die etwas mit den Augen, dem Sehen zu tun haben. „Augen auf im Straßenverkehr“, „Augen auf bei der Berufswahl“… Natürlich gilt das auch für den Glauben. Blinder Glaube ist eine fatale Angelegenheit. Das hat die Geschichte immer wieder gelehrt, wenn auch sehr oft auf schmerzliche Art und Weise. Und auch heute, in unseren Tagen erleben wir immer wieder, wohin blinder Glaubensgehorsam und Fanatismus führen…
Lebendiger Glaube hat etwas mit Sehen zu tun. Einmal im wirklichen Sinn und dann natürlich auch im übertragenen Sinn. Und der Glaube an Gott braucht beides. Das Sehen auf das, was Gott von mir erwartet und das Sehen auf IHN, um es zu verstehen und auch umzusetzen. Lebendiger Glaube braucht immer die vertikale und die horizontale Verbindung. Deutlich wird mir das immer in der Passions- und Fastenzeit. Die Besinnung auf mein Leben, durch den bewussten Verzicht auf etwas. Natürlich könnte ich sagen: „Das tue ich ja nur allein für mich…“, aber als gläubiger Christ, verzichte ich ja auch aus einem bestimmten Wissen heraus. Ich möchte wieder genauer hinhören, auf mein Leben und meine Umwelt. Ich möchte genauer sehen, was um mich herum geschieht. Und dazu brauche ich den Blick auch nach „oben“. „Meine Augen sehen stets auf den Herrn…“. Beides mit- einander zu verbinden, ist m.E. lebensnotwendig. Dabei kann ich den Blick in die Welt und den Blick zu Gott nicht gegeneinander ausspielen. Es braucht beides. Wenn ich Jesus in meinem Leben nachfolgen will, wenn der Glaube nicht belanglos werden soll, dann brauche ich immer wieder Vergebung und vor allem auch einen, der mich leitet. Das bringt der Psalm 25 zum Ausdruck, der für die Namensgebung des Sonntages „Okuli“ Pate stand. Dort heißt es unter anderem: „Nach dir, Herr, verlanget mich. Mein Gott, ich hoffe auf dich; lass mich nicht zuschanden werden,… Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte,… Meine Augen sehen stets auf den Herrn; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen…“
Der Sonntag Okuli bildet die Mitte der Passionszeit. Sehen und Nachfolge sind eng miteinander verbunden. Und Gott lädt uns ein: zu sehen und IHM auf seinem Weg nachzufolgen.

Eine gesegnete Passions-und Fastenzeit
Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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8.2.18

Liebe Leserin, lieber Leser!

Ein neues Jahr hat begonnen – mit Feuerwerk, guten Vorsätzen und bei uns auch mit den Segenssprüchen der umherziehenden „Ökumenischen-Sternsinger“.
Das ist nun schon fast (gefühlt) eine Ewigkeit her und ein Monat ist auch schon weg, vom „Neuen Jahr“! Doch was ist wirklich „neu“ an diesem Jahr? Holt uns nicht spätestens nach den Urlaubstagen zur Jahreswende der Alltagstrott wieder ein? Und sind wir nicht schon wieder mittendrin!! Das provoziert die Frage: Ist es überhaupt möglich, den Ballast des Alten, Erstarrten abzulegen, aus den alten Kleidern herauszuschlüpfen?
In der christlichen Tradition Mitteleuropas verbindet sich diese Frage mit jenem Brauchtum, das die Kälte und die Erstarrung der Wintermonate hinter sich lassen will:
Schon bei den Römern war der Februar eine Zeit der Reinigung, die mit öffentlichen Umzügen, Fackeln und Kerzenschein begangen wurde. Die katholischen und orthodoxen Christen haben diesen Brauch in dem Fest „Mariä Lichtmess“ aufgenommen, an dem Kerzen für das neue Jahr geweiht werden.
Viel spektakulärer und auch chaotischer geht es aber dann im Karneval zu:
Da werden, zumindest immer noch in der alemannischen Fastnacht in Süddeutschland, mit viel Lärm und erschreckenden Masken die Winterdämonen verspottet und ausgetrieben. Da werden, vor allem im rheinischen Karneval, aber auch die politischen und gesellschaftlichen Machtverhältnisse (für begrenzte Zeit) karikiert oder sogar auf den Kopf gestellt – wie etwa bei der Machtübernahme der Frauen in den Rathäusern zur „Weiberfastnacht“. Und es steckt auch viel anarchische und visionäre Hellsichtigkeit hinter dieser Verrücktheit: Wer sagt eigentlich, dass es in unserem scheinbar so normalen Alltag nicht häufig noch viel verrückter zugeht als beim Karneval…?

Der Winter, das Dunkel, das Alte, das Erstarrte: das muss ausgetrieben werden, wenn ein neues Jahr wirklich etwas Neues bringen soll – in diesem Ziel treffen sich übrigens der Karneval und die kirchliche Fastenzeit, die den Karneval am Aschermittwoch beendet: 40 Tage ohne Fleisch (daher die Bezeichnung „Karneval“, Lateinisch: „carne vale“ – „Fleisch leb’ wohl“), aber auch ohne Alkohol, ohne Süßigkeiten – in früheren Jahrhunderten war das in Mitteleuropa für viele eine schlichte Notwendigkeit, da im Frühjahr die Wintervorräte zu Ende gingen und frische Lebensmittel kaum zur Verfügung standen. Aber bei uns heute? Da geht es mehr um´s „Loswerden“ von überflüssigen Pfunden. Es geht um Entschlackung usw.
Seit einigen Jahren wird interessanterweise das Fasten wiederentdeckt: etwa in der evangelischen Aktion „Sieben Wochen ohne“ oder als medizinisches „Heilfasten“. Ein solches (freiwilliges!) Fasten kann bewusst machen, wo sich – manchmal unbewusste – Abhängigkeiten und Süchte in unseren Alltag eingeschlichen haben – aber auch, dass wir diesen Abhängigkeiten nicht hilflos ausgeliefert sind (wobei es längst nicht mehr nur um Nahrung und Genussmittel, sondern auch um Fernseh- und Internetkonsum, Computer, Autofahren und Ähnliches geht).

Die biblische Schlüsselgeschichte der Fastenzeit berichtet, wie Jesus sich durch ein vierzigtägiges Fasten in der Wüste auf sein öffentliches Auftreten vorbereitet, und wie er dabei allen Allmachtsversuchungen widersteht (Matthäusevangelium, Kapitel 4).

Ist es auch für uns möglich, in einem neuen Jahr den Ballast des Alten, Erstarrten abzulegen, aus den alten Kleidern herauszuschlüpfen? Die Erfahrungen von Karneval und Fasten sagen: In Grenzen: Ja! Einen Versuch jedenfalls wäre es wert.

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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1.2.18

Liebe Leserin, lieber Leser!

Erst neulich wieder, habe ich erfahren, wie gut und hilfreich es ist, ein Navigationsgerät im Auto zu haben. Man steigt ein, kurz die Adresse eingeben und schon kann es losgehen, ohne Angst und Hektik. Ganz entspannt.  Eine nette Stimme weist mir den Weg, sagt wo ich lang muss, korrigiert mich auf eine nette Art und Weise, wenn ich falsch bin… Manchmal frage ich mich, wie haben wir das früher gemacht?

Als ich letztens im Auto saß und einen dankbaren Blick auf mein Navi warf, kam mir ein Schüler der 9. Klasse in den Sinn, den ich vor mehr als anderthalb Jahren im Religionsunterricht hatte. Wir besprachen im Unterricht das Thema „Gott“. Die Schüler berichteten von ihren Erfahrungen und als es dann um Gottesvorstellungen und Bilder ging, sagte plötzlich ein Schüler: „Gott ist wie ein Navi im Auto.“ Erstaunt fragte ich zurück: „Wie meinst du das?“ „Na“, sagt er, „wenn ich losgefahren bin, kann es sein, dass ich trotz Ansage nicht aufpasse und falsch abbiege. Dann wird die Stimme im Navi nicht böse und ruft: Mensch, pass doch auf! Nein, geduldig sagt die Stimme: Bitte wenden. Und wenn ich die Gelegenheit zur Umkehr verpasse, sagt sie weiter freundlich: Bitte wenden. So stelle ich mir Gott vor. Auch wenn wir etwas falsch machen, bleibt er freundlich zu uns.“ Die anderen in der Klasse sind genauso erstaunt wie ich. Ein schönes Bild. Und der Schüler ergänzt: „Ja, Gott ist wie ein Navi. Wenn wir zum Beispiel in einem Stau nicht weiterkommen, zeigt das Navi uns eine neue Route an. Gott zeigt uns auch einen neuen Weg, wenn wir nicht weiterwissen.“

Noch immer bin ich von diesem Bild beeindruckt. Ein Navi bringt mich nicht nur gut ans Ziel, sondern erinnert auch dran: Gott redet liebevoll mit mir und geht auch so mit mir um. Nun spricht Gott leider nicht so direkt zu mir wie die Stimme im Navi. Aber ich kann seine Stimme hören.

Manchmal höre ich Gottes Stimme durch die Worte meines Herzens. Manchmal ist es eine Stimme aus einem Bibelwort. Manchmal erreicht mich Gottes Stimme durch das, was in meinem Leben passiert. Manchmal kommt seine Stimme aus dem Mund eines anderen Menschen oder aus den wundersamen Erscheinungen der Natur. Ich glaube: Wir tun gut daran, unsere Sinne zu schärfen, damit wir wahrnehmen, wie Gott mit uns redet. Ein Wort ist mir besonders wichtig. Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein (Jesaja 43,1). Der Satz meint: Gott kennt mich, wie keiner sonst. Ich bin sein, so wie ich bin. Das ist für mich eine tröstliche Vorstellung und macht mir gleichzeitig Mut.
Mit dieser Stimme und diesen Worten im Herzen kann ich auch mit Scheitern und Niederlagen fertig werden. Wer sich freundlich geborgen weiß, kann auch zu Fehlern stehen oder auf einen Ausweg aus Sackgassen hoffen. Der kann vertrauen, dass da Hilfe kommt.

Lasst uns auch unsere Stimme nutzen, Gottes Liebe entsprechen und miteinander freundlich reden. Anderen ein gutes Wort zum Tag spendieren. Das kann ein schönes Kompliment, ein guter Wunsch oder ein nachdenkenswerter Spruch sein. Lasst eurer und unserer Fantasie freien Lauf!

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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25.01.18

Liebe Leserin, lieber Leser!

Es ist exakt siebzig Jahre her, dass Mahatma Gandhi dem Attentat eines fanatischen Hindu zum Opfer fiel. Sein gewaltsamer Tod am 30. Januar 1948 erschütterte die Welt. Am Trauerzug zur Verbrennungsstätte nahmen fast eine Million Menschen teil. Die große Ehre, die ihm erwiesen wurde, hatte ihren Grund. Dem kleinen Mann mit den asketischen Gesichtszügen, der Nickelbrille und dem handgewebten Lendentuch war es gelungen, einen ganzen Subkontinent von der britischen Kolonialherrschaft zu befreien. Seine Mittel zur Befreiung Indiens waren ungewöhnlich und gerade deshalb spektakulär: gewaltloser Widerstand, ziviler Ungehorsam und Hungerstreik. Auch mehrjährige Gefängnisstrafen konnten Gandhi nicht von seinem Weg abbringen. Seiner Unbeugsamkeit und inneren Stärke gegenüber erwiesen sich die Instrumente staatlicher Gewalt als machtlos. Über seinen größten politischen Erfolg allerdings, die Unabhängigkeit Indiens, konnte sich Gandhi nicht vorbehaltlos freuen. Sein Einsatz für die Einigung der hinduistischen und islamischen Volksteile war vergebens gewesen; Indien wurde im Zuge der Befreiung in zwei Staaten geteilt. Wenige Monate später kam es zum Attentat auf den 78-Jährigen. Seine Ermordung war wie ein Siegel auf seine Grundüberzeugung, dass es besser sei, Gewalt zu erleiden als sie selbst anzuwenden. Nicht zuletzt dieser Überzeugung wegen verlieh ihm der bengalische Dichter Tagore den Beinamen „Mahatma“, d.h. Große Seele. Sein Geburtstag, der 2. Oktober, ist in Indien bis heute Nationalfeiertag.

Gandhis spirituelle Praxis gründete vor allem auf zwei Schriften: der Bhagavadgita, dem heiligen Gesang des Hinduismus, und der Bergpredigt Jesu. Auch wenn er Jesus nicht im christlichen Sinne als Sohn Gottes anerkennen wollte, sah er in ihm doch einen der großen Weisheitslehrer der Menschheit. Jesu Appell, die Feinde zu lieben und dem Übel in gewaltloser Weise zu begegnen, wurde ihm zur Richtschnur seines eigenen Tuns. Und so, wie er selbst aus verschiedenen religiösen Traditionen schöpfte, lehrte er die Ehrfurcht vor allen Religionen. Sie sollten sich nicht gegenseitig bestreiten und bekämpfen, sondern als verschiedene Wege zu demselben Ziel hin verstehen. Einmal sagte er: „Ich bete für einen Christen, dass er ein besserer Christ werde, für einen Moslem, dass er ein besserer Moslem werde. Ich bin überzeugt, dass Gott einst nach dem fragen wird und heute schon fragt, was wir tun, nicht nach der Bezeichnung, die wir uns geben.“

Gandhi hat mit dieser Überzeugung selbst Ernst gemacht. So wurde er für andere Freiheitskämpfer zu einem Vorbild, an dem sie sich orientieren konnten. Auch heute sind seine Ideen keineswegs überholt. Ich habe mir vor allem einen Gedanken von ihm gemerkt. Dieser lautet: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ Das heißt: Nicht klagen über die Welt, so wie sie ist. Nicht immer die Fehler nur bei anderen suchen. Sondern sich selbst in die Pflicht nehmen, damit sich etwas zum Guten ändert an dem Ort, wo Gott uns hingestellt hat. Ich kann es mir nicht oft genug sagen, finde ich: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ Diese Aufforderung ebnet den Weg zum Frieden. (nach Arnd Herrmann)

In diesem Sinne wünsche ich ihnen allen eine gesegnete neue Woche. Dies verbinde ich mit der Anfrage an jeden Einzelnen, ob er nicht auch für sich überlegen könnte, Verantwortung für unsere Kirchengemeinde zu übernehmen. Im Oktober wählen wir einen neuen Kirchenvorstand. Wir suchen noch Frauen und Männer, die bereit sind mitzumachen und sich als Kandidaten zur Verfügung zu stellen. Für Fragen, was dieses Amt mit sich bringt, was da auch einen zukommt, dafür stehe ich jeder Zeit zur Verfügung. Sprechen Sie mich an oder greifen sie zum Telefon! Ich freue mich auf jeden Anruf, auf jedes Gespräch!

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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18.1.2018

Liebe Leserin, lieber Leser!

Wie lange ist Weihnachten her? Also: gefühlt, nicht laut Kalender. War es wie immer oder so unvergesslich, dass Sie auch in ein paar Jahren sofort wissen: Das war Weihnachten 2017! Das erste Mal mit Kind, das letzte Mal mit den Großeltern, das Jahr, als der Tannenbaum brannte oder der Fernseher streikte.
Und wann war es für Sie zu Ende, Weihnachten? Schon Heiligabend oder nach den beiden Feiertagen oder ist es für Sie sogar immer noch nicht vorbei? Es gibt ja hochphilosophische Diskussionen, wann denn Weihnachtsschmuck, Baum, Spekulatius wieder verstaut und verschwunden sein sollten: Da gibt es eine große Spannbreite, von „noch im alten Jahr“ bis „Mariä Lichtmess“, das wäre der 2. Februar, genau 40 Tage nach Weihnachten.
Oder auf die Frage an Konfirmanden: „Wie lange steht der Christbaum in der Kirche?“, antwortet einer: „Bis er nadelt!“
Ob Weihnachten 2017 für Sie ein besonderes oder ein „normales“ war: Es war definitiv das Weihnachten, in dem der Herr über dir aufging und seine Herrlichkeit über dir erschien. Das sagt auf jeden Fall der Wochenspruch: „Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ Diese Formulierung ist, wie jede Poesie, leicht zu verstehen (oder zu erfühlen) und schwer zu beschreiben.

„Der Herr geht über dir auf.“ Damit scheint Weihnachten dann wirklich vorbei. Da lag er noch in der Krippe, Mensch unter Menschen. Jetzt: über mir. Wie die Sonne. Davon gibt es in dieser Jahreszeit auf jeden Fall zu wenig, davon hätte ich gerne mehr. Einer der wenigen Vorteile in der dunklen Jahreszeit liegt für mich darin, täglich den Sonnenaufgang mitzuerleben. Lange nach dem Aufstehen, dem Kaffee und ersten Tätigkeiten verschwindet die Dunkelheit. Häppchenweise. Es hellt auf, und der eigentliche Grund dafür, die Sonne, ist dabei einige Zeit noch gar nicht zu sehen, bis sie endlich hinterm Horizont aufgeht. Der Herr geht über mir auf: Seine Kraft geht seinem Erscheinen lange voraus. Wenn ich denke: Bald ist er da – ist er es schon längst.
„Die Herrlichkeit des Herrn erscheint über dir.“ Wer Gott sucht, tut dies meist „im Himmel“, über uns. Eher selten neben oder mitten unter uns. Die Augen gehen nach oben, nicht nach rechts und links. Dabei sind beide Sichtweisen untrennbar miteinander verbunden. Gott ist keiner, der nur über allem thront. Das tut er aber auch, und das ist ebenso gut für uns wie seine Anwesenheit mitten unter uns.
Über uns, das ist das, was uns übersteigt. Das, was nicht zu fassen ist. Weihnachten ist so ein Fest, an dem das deutlich werden kann. Geschenke sind schön, Rituale und Familie auch, meistens zumindest, aber da passiert noch mehr. Ein Glanz oder zumindest das Versprechen eines Glanzes liegt über diesem Fest. Es gibt Menschen, die sind froh, wenn es endlich vorbei ist. Die schon deswegen spätestens Silvester Tannenbaum & Co. hinter sich gelassen haben.

Im kirchlichen Festkreis geht Weihnachten deutlich länger, nämlich bis jetzt, bevor es nächste Woche so langsam auf die Passionszeit zugeht. Aber immer noch im Licht der Weihnacht (Maria Lichtmess). Was als winziges Licht in Betlehem begann, steht bis dahin hoch am Himmel über uns, mit uns, bei uns, bis ans Ende aller Zeit.

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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11.1.2018

Liebe Leserin, lieber Leser!

„Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst!“
So lautet die Jahreslosung für das vor uns liegende neue Jahr. Beim ersten Lesen vielleicht ein bisschen sperrig, aber je öfter ich mir diesen Vers vorsage oder auch „nach kaue“, umso ermutigender kommt er daher.
Unsere alltäglichen Lebenswege gleichen manchmal mehr oder weniger Wanderstrecken. Ausgeruht, gut vorbereitet beginnen wir unser Tagewerk. Doch schon bald geht uns die Puste aus oder etwas versperrt uns den Weg. Erster Arbeitstag nach dem Urlaub. Gleich geht es in die Vollen. Alles geht schief, nichts klappt – und schon ist es ein gebrauchter Tag… Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr. Das hat doch alles keinen Zweck… Wut und Verzweiflung; Resignation und Hoffnungslosigkeit machen sich in mir breit. Wir alle kennen solche oder ähnliche Situationen. Das Alter spielt dabei keine Rolle. Ich denke an meine Konfirmanden, die oft ziemlich geschafft aus der Schule kommen und dann noch am Nachmittag zum Konfirmandenunterricht. So mancher Gesichtsausdruck verrät die Gemütslage.
Doch was können wir in solchen Lebenslagen tun, wo wir einem Ertrinkenden oder Verdursteten gleichen? Unsere Jahreslosung entstammt aus der Offenbarung des Johannes. Ein Buch geschrieben als ein Trostbuch für die Verfolgten und Hoffnungslosen. Am Ende aber, nach all den Qualen, wird Gott alles neu ausrichten, wird alles gut werden. Vor unserer Jahreslosung steht das bekannte Wort: „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen…“. So gesehen bedeutet das für mich nun, dass ich wissen darf: Gott ist bei mir, auch wenn es vielleicht ein „gebrauchter Tag“ war. Dass nach all dem Schlechten auch etwas Gutes kommt. Wichtig ist dann nur, dass ich davon auch etwas spüre. Wie? Das ist dann die alles entscheidende Frage. Ich muss versuchen offen zu bleiben. Eine Quelle in der Natur bei einer Wanderung werde ich nur dann entdecken, wenn ich genau lausche, hinhöre und suche. Übertragen heißt das: Ich versuche mich zu öffnen bzw. offen zu bleiben - für eine Geste, ein ermunterndes Wort, ein positiver Gedanke, vielleicht aber auch ein Stoßgebet. „Gott, lass mich nicht allein mit all meinen Sorgen und Nöten. Sei mir nahe. Sei meine Quelle zum Leben. Amen.“

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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