Angedacht 2018

18.1.2018

Liebe Leserin, lieber Leser!

Wie lange ist Weihnachten her? Also: gefühlt, nicht laut Kalender. War es wie immer oder so unvergesslich, dass Sie auch in ein paar Jahren sofort wissen: Das war Weihnachten 2017! Das erste Mal mit Kind, das letzte Mal mit den Großeltern, das Jahr, als der Tannenbaum brannte oder der Fernseher streikte.
Und wann war es für Sie zu Ende, Weihnachten? Schon Heiligabend oder nach den beiden Feiertagen oder ist es für Sie sogar immer noch nicht vorbei? Es gibt ja hochphilosophische Diskussionen, wann denn Weihnachtsschmuck, Baum, Spekulatius wieder verstaut und verschwunden sein sollten: Da gibt es eine große Spannbreite, von „noch im alten Jahr“ bis „Mariä Lichtmess“, das wäre der 2. Februar, genau 40 Tage nach Weihnachten.
Oder auf die Frage an Konfirmanden: „Wie lange steht der Christbaum in der Kirche?“, antwortet einer: „Bis er nadelt!“
Ob Weihnachten 2017 für Sie ein besonderes oder ein „normales“ war: Es war definitiv das Weihnachten, in dem der Herr über dir aufging und seine Herrlichkeit über dir erschien. Das sagt auf jeden Fall der Wochenspruch: „Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ Diese Formulierung ist, wie jede Poesie, leicht zu verstehen (oder zu erfühlen) und schwer zu beschreiben.

„Der Herr geht über dir auf.“ Damit scheint Weihnachten dann wirklich vorbei. Da lag er noch in der Krippe, Mensch unter Menschen. Jetzt: über mir. Wie die Sonne. Davon gibt es in dieser Jahreszeit auf jeden Fall zu wenig, davon hätte ich gerne mehr. Einer der wenigen Vorteile in der dunklen Jahreszeit liegt für mich darin, täglich den Sonnenaufgang mitzuerleben. Lange nach dem Aufstehen, dem Kaffee und ersten Tätigkeiten verschwindet die Dunkelheit. Häppchenweise. Es hellt auf, und der eigentliche Grund dafür, die Sonne, ist dabei einige Zeit noch gar nicht zu sehen, bis sie endlich hinterm Horizont aufgeht. Der Herr geht über mir auf: Seine Kraft geht seinem Erscheinen lange voraus. Wenn ich denke: Bald ist er da – ist er es schon längst.
„Die Herrlichkeit des Herrn erscheint über dir.“ Wer Gott sucht, tut dies meist „im Himmel“, über uns. Eher selten neben oder mitten unter uns. Die Augen gehen nach oben, nicht nach rechts und links. Dabei sind beide Sichtweisen untrennbar miteinander verbunden. Gott ist keiner, der nur über allem thront. Das tut er aber auch, und das ist ebenso gut für uns wie seine Anwesenheit mitten unter uns.
Über uns, das ist das, was uns übersteigt. Das, was nicht zu fassen ist. Weihnachten ist so ein Fest, an dem das deutlich werden kann. Geschenke sind schön, Rituale und Familie auch, meistens zumindest, aber da passiert noch mehr. Ein Glanz oder zumindest das Versprechen eines Glanzes liegt über diesem Fest. Es gibt Menschen, die sind froh, wenn es endlich vorbei ist. Die schon deswegen spätestens Silvester Tannenbaum & Co. hinter sich gelassen haben.

Im kirchlichen Festkreis geht Weihnachten deutlich länger, nämlich bis jetzt, bevor es nächste Woche so langsam auf die Passionszeit zugeht. Aber immer noch im Licht der Weihnacht (Maria Lichtmess). Was als winziges Licht in Betlehem begann, steht bis dahin hoch am Himmel über uns, mit uns, bei uns, bis ans Ende aller Zeit.

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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11.1.2018

Liebe Leserin, lieber Leser!

„Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst!“
So lautet die Jahreslosung für das vor uns liegende neue Jahr. Beim ersten Lesen vielleicht ein bisschen sperrig, aber je öfter ich mir diesen Vers vorsage oder auch „nach kaue“, umso ermutigender kommt er daher.
Unsere alltäglichen Lebenswege gleichen manchmal mehr oder weniger Wanderstrecken. Ausgeruht, gut vorbereitet beginnen wir unser Tagewerk. Doch schon bald geht uns die Puste aus oder etwas versperrt uns den Weg. Erster Arbeitstag nach dem Urlaub. Gleich geht es in die Vollen. Alles geht schief, nichts klappt – und schon ist es ein gebrauchter Tag… Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr. Das hat doch alles keinen Zweck… Wut und Verzweiflung; Resignation und Hoffnungslosigkeit machen sich in mir breit. Wir alle kennen solche oder ähnliche Situationen. Das Alter spielt dabei keine Rolle. Ich denke an meine Konfirmanden, die oft ziemlich geschafft aus der Schule kommen und dann noch am Nachmittag zum Konfirmandenunterricht. So mancher Gesichtsausdruck verrät die Gemütslage.
Doch was können wir in solchen Lebenslagen tun, wo wir einem Ertrinkenden oder Verdursteten gleichen? Unsere Jahreslosung entstammt aus der Offenbarung des Johannes. Ein Buch geschrieben als ein Trostbuch für die Verfolgten und Hoffnungslosen. Am Ende aber, nach all den Qualen, wird Gott alles neu ausrichten, wird alles gut werden. Vor unserer Jahreslosung steht das bekannte Wort: „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen…“. So gesehen bedeutet das für mich nun, dass ich wissen darf: Gott ist bei mir, auch wenn es vielleicht ein „gebrauchter Tag“ war. Dass nach all dem Schlechten auch etwas Gutes kommt. Wichtig ist dann nur, dass ich davon auch etwas spüre. Wie? Das ist dann die alles entscheidende Frage. Ich muss versuchen offen zu bleiben. Eine Quelle in der Natur bei einer Wanderung werde ich nur dann entdecken, wenn ich genau lausche, hinhöre und suche. Übertragen heißt das: Ich versuche mich zu öffnen bzw. offen zu bleiben - für eine Geste, ein ermunterndes Wort, ein positiver Gedanke, vielleicht aber auch ein Stoßgebet. „Gott, lass mich nicht allein mit all meinen Sorgen und Nöten. Sei mir nahe. Sei meine Quelle zum Leben. Amen.“

Ihr/Euer Pfarrer Thomas Abel

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